Die Stadt Isny kauft das regionalhistorisch bedeutende Klosterarchiv


am 26.08.2021 von Barbara Rau

Das „Klosterarchiv Isny“, welches das Archiv des ehemaligen Benediktinerklosters Isny, das Archiv der Provisorischen Kommission der Grafschaft Isny und das Archiv der Standesherrschaft Isny vereint, kommt in den Besitz der Stadt Isny. Ein lang gehegter Wunsch geht damit in Erfüllung.

„Das historische Gedächtnis der Stadt bleibt in Isny, steht also zur weiteren Erforschung der Geschichte von Stadt und Ortschaften zur Verfügung und wird für die folgenden Generationen be-wahrt“, freut sich Hauptamtsleiter Frank Reubold, der die Verhandlungen erfolgreich geführt hatte. „Es waren sehr konstruktive Verhandlungen“, betont Bürgermeister Rainer Magenreuter, dem der Ankauf am Herzen liegt. „Dieses Archiv zeigt die Besonderheit unserer Stadt und der Kauf ist eine einmalige Chance.“ Der Verwaltungsausschuss war in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause mehrheitlich der Meinung, dass es diese einmalige Chance zu nutzen gilt und stimmte dem Ankauf zu.

Kulturhistorischer Wert für Isny

Noch kann die Stadt Isny dieses Archiv allerdings nicht in eigenen Räumen unterbringen. Im Schloss Isny kann es wegen Eigentümerwechsel der Räumlichkeiten nicht mehr verbleiben. Mit der Zwischenlagerung und der Bestandserhaltung bis längstens Ende 2027 wird deshalb das Kreisarchiv beauftragt. Das gibt der Stadt Isny die Zeit, bis dahin eine ohnehin dringend gebote-ne räumliche Lösung für das städtische Archiv zu finden, die schon seit Jahren diskutiert wird. Das Stadtarchiv, eine städtische Pflichtaufgabe, platzt im Erdgeschoss des Rathauses aus allen Nähten. Klosterarchiv und Stadtarchiv gehören als Zeugnisse der Isnyer Geschichte zusammen, waren sich die Ausschussmitglieder weitgehend einig. In passenden neuen Räumlichkeiten wür-den die beiden Archive gemeinsam 1000 Jahre Historie abbilden, ein unschätzbarer kulturhisto-rischer Wert für Isny.

Kreisarchiv bewahrt vorläufig

Bis es so weit ist, kümmert sich das Kreisarchiv gegen Kostenerstattung um den Erhalt des Klosterarchiv-Bestands, und in gewissem Umfang auch um die Restaurierung der etwa 12 Prozent an Archivalien, die in kritischem Zustand sind, wie Frank Reubold erläutert. „Es ist kein Fass ohne Boden, denn etwa die Hälfte des Bestands ist in einem guten Zustand, so dass die finanziellen Aufwendungen in den kommenden Jahren überschaubar bleiben.“ Es komme der Sache sehr entgegen, dass das Kreisarchiv des Landkreises Ravensburg das Klosterarchiv für die Stadt Isny vorübergehend gut verwahre, erklärt Bürgermeister Rainer Magenreuter.
Mit dem Kauf des Klosterarchivs ist auch das wertvolle althochdeutsch-lateinische doppelseitige Notker-Fragment aus dem 11. Jahrhundert in das Eigentum der Stadt übergegangen. Der Text des Fragments stammt von dem berühmten Gelehrten Notker (III.) von St. Gallen (um 950 -1022). Geschrieben wurde es (nach Schriftvergleichen zu schließen) in einem Kloster am Bodensee, vielleicht in St. Gallen, in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, also möglicherweise noch zu Lebzeiten des Verfassers. Wie und wann es in das 1096 gegründete Kloster Isny gelangte, kann nicht mehr rekonstruiert werden. Das Pergament-Doppelblatt enthält Bruchstücke eines zwei-sprachigen Textes in lateinischer und althochdeutscher Sprache zur Berechnung des Osterdatums, eines damals als „Computus“ bezeichneten Verfahrens. Die lateinische Fassung von Notkers Computus ist in anderen Handschriften überliefert.