Der Gründungsstein von Isny hat einen prominenten Platz


am 30.09.2022 von Barbara Rau

Auf dem Marktplatz an der Ecke des Blaserturms liegt gut sichtbar der Gründungsstein der Stadt Isny, der bei archäologischen Grabungen 2018 gefunden worden ist. Er bildete die Ecke eines massiven Mauerwerks, das auf das 12. Jahrhundert datiert wird.

Dieses hat als Mauer des frühesten Gebäudes mutmaßlich auch der Stadtbefestigung gedient.
„Das ist nicht nur der Gründungsstein und der Prangerstein, sondern auch ein Meilenstein auf dem Weg zum neu gestalteten Marktplatz“, sagt Bürgermeister Rainer Magenreuter beim Fototermin. Er dankt der AG Heimatpflege, die die Idee hatte, den Gründungsstein auf dem Marktplatz zu präsentieren, wo er in die Pflasterung integriert wird und allen weiteren Beteiligten.
WAV-Leiter Markus Lutz, der die Bauarbeiten auch nach seinem Weggang aus dem Tiefbauamt der Stadt noch betreut, erklärt, warum der Stein nicht an seinem ursprünglichen Platz aufgestellt wurde: „Das würde der Multifunktionalität des Platzes entgegenstehen und beispielsweise den Wochenmarkt behindern.“ Eine bodengleiche Schablone wird aber an der Fundstelle eingelassen, an der Ecke des einstigen Mauerwerks, das durch eine Metalldoppelrinne im Pflaster dargestellt wird. Um zu verhindern, dass Fußgänger auf der Metallschablone ausrutschen, wird ein reliefar-tiger Schwarzplan der Altstadt darauf angebracht, also ein Plan der schablonenhaft in Schwarz Gebäude darstellt.
Der Gründungsstein beweist nach Ansicht der AG Heimatpflege, dass die Anlage der Stadt keine zufällige ist, sondern dass einem damals üblichen Plan gefolgt wurde: Die Gründungsachsen und die Standorte der Tore sind hier eingekratzt. „Bereichert wird diese Darstellung der Geschichte durch das Stadtmodell, das unter den Rathausarkaden aufgestellt wird“, ergänzt Oswald Längst. „In späteren Jahrhunderten, bis ins 19. Jahrhundert hinein, wurde der Granitblock auch für den Pranger genutzt“, berichtet Rudolf Daumann. Wie Erhard Bolender aus einer Stadtchronik von 1854 vorliest, wurden noch während der Hungersnot 1817 Menschen, die in ihrer Verzweiflung ein paar Äpfel oder Kartoffeln stahlen, dieser demütigenden Bestrafung ausgesetzt. Die drei Vertreter der AG Heimatpflege freuen sich, dass die Archäologie so ihre Wertschätzung bekommt und der Marktplatz seine große soziale Bedeutung mit der Neugestaltung wiedergewinnt. Dass man hier auf altem Gemäuer stehe und Geschichte erlebbar gemacht werde, rechtfertige den Aufwand, pflichtet Tim Schneider vom beauftragten Planungsbüro Daeges bei.

Fertigstellung bis Frühsommer 2023

Markus Lutz versichert, dass es mit den Arbeiten sehr gut vorangehe. Es sei ein schwieriger Verband aus drei Farben aber in der Fläche sei man schon weit. Die Granitsteine dafür stammen aus Portugal. Auch das Fontänenfeld wird mit diesem Verband ausgelegt. Das ist aufwändig, weil die Steine erst einmal in einem Kiesbett ausgelegt werden müssen, bevor sie endgültig in Beton gelegt werden. Für die einzelnen Fontänen werden Steine aufgebohrt. Auf Nachfrage versichert Ingmar Vochezer, Bauleiter der ausführenden Firma Neff, dass die beiden neuen Baumstandorte, unterhalb der Treppe und mitten auf dem Marktplatz bereits vorbereitet seien, derzeit wegen der Verkehrssicherheit aber noch überpflastert.
Anfang Oktober wird vor Hello my Deer gepflastert. Für die Bachoffenlegung zwischen künftigem Barfüßer und dem Hallgebäude muss wegen der Schachtbauwerke nochmals die Archäologie ran. Das koste Zeit, werde aber den Zeitplan bis zur Fertigstellung im Frühsommer 2023 nicht durcheinander bringen, sagt Lutz.