Archäologische Grabungen in der "Südlichen Altstadt"

In der Hofstatt, zwischen Diebsturm und Marktplatz, bekommt die Stadt ein neues Gesicht. Ein neues Viertel für Wohnungen und Dienstleistung entsteht über den ältesten Besiedelungspuren der Stadt. Vor Baubeginn waren im Zeitraum von 2012 bis 2018 die Archäologen am Zug. In Form von Resten der Bebauung, Brunnen und Latrinen, mit alten Stein- und Ziegelmauern, mit Straßenpflasterung aus Fluss- und Backsteinen und erkennbaren Grundrissen legten sie ein Stück Stadtgeschichte frei. Vieles stammt aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand 1631. Im Untergrund ließen sich selbst die Standorte von Webstühlen wiederfinden. Die Ausgrabung brachte aber auch eine erstaunliche Zahl an Glasgefäßen, teils sogar noch gänzlich erhalten, zutage. Zwei Holzstücke sind eindeutig zu datieren: Eines ist aus dem Jahr 1319, das andere aus dem Jahr 1430.

Das Areal hinter dem Hallgebäude bildete den zweiten großen Bereich der Grabungen. Hier wurde der Schutt, abgelagert nach dem Stadtbrand 1631, abgetragen und ältere Strukturen freigelegt. In diesem Bereich waren nur geringe Flächen durch moderne Keller gestört. Der Brandschutt lag sozusagen unberührt und schützte tiefere, ältere Bodenhorizonte, die Aufschluss über Lebens- und Wirtschaftsformen im Mittelalter gaben.

Ab dem Frühjahr 2018 wurde auf dem Marktplatz gegraben, bevor dieser neugestaltet wird. Das Gefundene bestätigt weitgehend das, was die Isnyer Heimatforscher den Archiven entnommen haben. Stattliche Mauern und Fundamente, Flussstein-Pflasterungen und Innenraum-Pflasterungen kamen zum Vorschein. Außerdem sind Brandspuren sichtbar, die sich dem großen Stadtbrand von 1631 aber auch früheren Stadtbränden aus dem 13. und 14. Jahrhundert zuordnen lassen.

An den Blaserturm schließen zwei mächtige, übereinanderliegende Fundamente an. Die unteren Fundamente gehören offensichtlich zum burgähnlichen gräflichen Amtshaus des Ulrich von Montfort aus dem 13. Jahrhundert. Auf dessen Fundamenten wurde 1513 das Renaissance-Rathaus errichtet, welches dem Stadtbrand von 1631 zum Opfer fiel.

Ein besonderes Fundstück ist der Prangerstein. Er wurde an der Ecke der Fundamente des gräflichen Amtshauses ausgegraben und wurde wohl ab Ende des 13. Jahrhunderts genutzt. Bei geringeren Vergehen mussten die Delinquenten darauf stehen und, angekettet mit einem Halseisen, den Spott der Mitmenschen ertragen.

Im Untergrund des derzeit völlig entkernten Hallgebäudes wurden schließlich Grundmauern eines ehemaligen Tuchhauses und einer „Metzig“ gefunden.

In der Weihnachtswoche 2018 wurden die archäologischen Grabungen endgültig abgeschlossen. Voraussichtlich Ende 2021 wird auch der Markplatz in neuem Glanz erscheinen.

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