Stadtwald ist beim Schneebruch glimpflich davon gekommen


am 07.06.2019 von Barbara Rau

Stadtförster Johannes Merta stellte dem Gemeinderat das Betriebsergebnis des städtischen Forstbetriebs 2018 vor. Wegen des Borkenkäfers gab es weniger regulären Einschlag.

Der letzte planmäßige Holzeinschlag im Stadtwald war 2018 im März. „Danach sind wir nur noch dem Käfer hinterhergejagt“, berichtet Merta. Das wirkte sich auf die Holzmenge in 2018 aus, die niedriger war, als geplant. Niedriger als gehofft, war der Holzpreis, das wirkte sich auf die Einnahmen aus.
Das neue Jahr ist von Schneebruch bestimmt, wobei der Isnyer Stadtwald laut Merta „relativ glimpflich“ davongekommen ist. Weil aber die gebrochenen Bäume weit verstreut sind, macht das Aufräumen viel Arbeit. Der Stadtwald habe 90 Prozent zugängliche Flächen – da werde aufgeräumt und da gehe man an die Grenzen, sagte der Stadtförster. Auf den zehn Prozent schwer zugänglichen Flächen, beispielsweise Tobel an der Adelegg, „wo es bloß kostet und der Natur schadet, belassen wir Wildnis.“ Es wird auch nicht jeder Baum gefällt, der durch die Schnee- und Eislast seinen Wipfel verloren hat. „Ein Baum, der noch zwei drei Astquirle hat, überlebt“, erklärt er auf Anfrage eines Stadtrats.
Im vergangenen Herbst sind im Gschwendwald auf zwei Hektar Weißtannen angesät worden. „Saat ist der Anpflanzung überlegen“, sagt Merta. Und Tannen wurzeln tief und können die tonigen Schichten durchdringen, das macht sie für Trockenheit widerstands-fähiger. Grundsätzlich fürchtet er die Folgen des Klimawandels für den Isnyer Wald nicht so sehr. Zumal er – auch im Sinne seines Vorgängers Schaupp – weiter daran arbeitet, den Stadtwald langfristig klimatauglich in einen stabilen Mischwald umzubauen. Das heißt, Baumarten wie Tanne, Buche, Lärche, Douglasie oder Erle in den früher fast reinen Fichtenwäldern beizumischen. „Es ist nicht damit zu rechnen, dass wir auf mediterrane Baumarten zurück-greifen müssen.“ Die Forstleute hoffen, der trockene Sommer 2018 war ein einmaliges Ereignis. Über den verregneten, kühlen Mai freuen sie sich jedenfalls.
Zur angesprochenen Biodiversität erklärte Bauamtsleiter Claus Fehr, dass die Stadt Flächen aus der Nutzung nehmen wolle und dazu derzeit ein Alt- und Totholzkonzept entwickle.
Wann sich der Holzpreis wieder erholt, ist nicht absehbar. Mitteleuropa erlebte seit letztem Jahr Waldschäden in nie gekanntem Ausmaß, wie Bernhard Dingler, Leiter der Außenstelle Leutkirch des Forstamts Ravensburg erklärt. Verglichen dazu, lebe man im Allgäu auf einer „Insel der Seligen“. „Ganze Züge mit billigem Holz kommen aus Tschechi-en in unsere Region.“ Grundsätzlich ist er optimistisch, da weltweit weniger Holz nachwachse, als verbraucht wird und sich der Holzmarkt deshalb vermutlich wieder normalisiere. Um am Holzmarkt Gewicht zu haben, tritt die Stadt einer neuen Holzvermarktungsgenossenschaft bei (siehe separater Text).
Gemeinderat und Verwaltung waren sich in ihrem Dank für die gute Arbeit der Forstleute einig. Dingler wiederum dankte der Stadt, dass sie dem Wald so einen breiten Raum einräume.

Betriebsergebnis 2018:
Holzeinschlag gesamt in Festmetern (fm): 5188 (Plan 6050; 2017: 5998); zufällige Nutzung: 30 Prozent (2017 25 Prozent); Ernte durch eigene Wald-arbeiter: 1107 fm (Plan 3180)
Neupflanzung/Ansaat 4 ha
Einnahmen Holzernte 387.440 Euro (Plan 441.500 Euro), Einnahmen ge-samt: 411593 Euro (Plan 459.200 Euro); Ausgaben gesamt 283.504 Euro; Ergebnis: 128.098 Euro.

Vermarktungsgemeinschaft Holz

Zum 1. Januar 2020 wird die Forstverwaltung in Baden-Württemberg neu organisiert. Damit verbunden ist eine Neuorganisation für den Holzverkauf. Die Städte und Gemeinden im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg mit Waldbesitz über 100 Hektar (Isny hat 500 ha) gründen daher eine Genossenschaft für Holzvermarktung. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dass die Stadt Gründungsmitglied der Ver-marktungsgemeinschaft Holz e.G. wird. Isny bringt 1.000 Euro Startkapital ein. Mit der Genossenschaft soll ein Gegengewicht gegen die Konzentration der Sägeindustrie erzielt werden.

Forstreform

Mit der ab 2020 greifenden Forstreform, die nochmals geändert wurde, nachdem der Bundesgerichtshof ein Urteil in einem Kartellrechtsverfahren kassiert hatte, können Kommunen auch weiterhin die Waldbewirtschaftung in den Händen der Unteren Forstbehörde (Landratsamt) belassen, anstatt sie in Eigenregie zu übernehmen. Damit kann auch Stadtförster Merta als Forstbeamter beim Landkreis die Stadt Isny weiterhin betreuen.