Partnerschaftsgruppen bekennen sich zu Europa


am 02.05.2019

Isny hat fünf Städtepartnerschaften: mit Andrychow (Polen), Flawil (Schweiz), Notre-Dame-de-Gravenchon (Frankreich), Sotkamo (Finnland) und Street (England). Die Partnerschaftskommissionen rufen dazu auf, bei der Europawahl wählen zu gehen.

Deutsche, Polen, Franzosen, Engländer, waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Feinde, führten Kriege gegeneinander. Keiner von uns kann das heute noch nachvollziehen. Heute genießen wir Frieden, offene Grenzen und die europäische Vielfalt, besuchen uns gegenseitig, schließen Freundschaften, pflegen Städtepartnerschaften und freuen uns, dass es so einfach ist, von einem Land ins andere zu reisen. Ganz abgesehen davon, dass wir alle auch wirtschaftlich von offenen Grenzen profitieren. Wir wissen zu schätzen, was wir an einer Europäischen Union haben und haben sie lange für selbstverständlich gehalten. In den letzten Jahren sind aber die Stimmen laut geworden, die gegen den europäischen Gedanken ankämpfen, die glauben, in der Abgrenzung der Staaten liege das Heil. Sie setzen das aufs Spiel, was wir uns an Frieden, Einigkeit und Offenheit in den letzten Jahrzehnten erarbeitet haben. Wir sind überzeugt, dass Europa nur als einiger Staatenbund in der Welt Gewicht hat.
Wir rufen daher alle auf, stehen Sie zu Europa, gehen Sie am 26. Mai wählen!
Die Isnyer Partnerschaftsgruppen Andrychow, Notre-Dame-de-Gravenchon, Flawil, Sotkamo, Street.

Manfred Behrning, Bürgermeister a. D.:
Europa ist kulturell sehr verschieden, von Finnland bis Portugal, von Schottland bis Malta. Das müssen wir stärken und bewahren. Wer aber glaubt, dies im nationalen Rahmen tun zu können, betreibt das Geschäft von Europas Konkurrenten, erliegt den Tönen der „Rattenfänger von Ha-meln“. In wenigen Jahrzehnten wird es noch vier oder fünf Global-Player geben, nur als Ganzes kann Europa dann mitreden.
(Manfred Behrning hat mit Ausnahme von Gravenchon alle Partnerschaftsurkunden in seiner Amtszeit unterschrieben.)

Für Andrychow, Viktoria Doris Graenert:
Die Europäische Union ist für mich ein Staatengebilde, das einst von Politikern mit Friedensvisionen, als Rahmen erdacht und auf den Weg gebracht wurde. Uns europäischen Bürgerinnen und Bürgern ist die Aufgabe gestellt, diesen Rahmen, als Menschen, mit Leben zu füllen, um selber zu EU-Bürgerinnen und -Bürgern, in unserem Falle aus dem Allgäu, zu werden.
Viele unserer polnischen Freunde und auch viele von uns sprechen nicht beide Sprachen. Doch oft genügen schon ein Lächeln und eine Verständigung mit Gesten auf Augenhöhe. Das ist für mich die "Weltsprache", die jeder sprechen kann, die jeder versteht und die uns einander näherbringen kann. So wollen wir weiter für den Frieden in Europa arbeiten.

Für Street, Veronika Wiedemann-Stahl:
Welche Folgen ein Ausscheren hat, sehen wir derzeit an Großbritannien. Die Partnerschaftsgruppe in Street erwartet mit großer Sorge, was nach einem Brexit auf ihr Land zukommt. Wir bereiten gerade einen Besuch aus der englischen Partnergemeinde vor und spüren jetzt schon deutlich, welche gravierenden, auch finanziellen Auswirkungen der Ausstieg aus der EU für diese lebendige Partnerschaft hat. Unsere Freunde in Street wünschten sich, dass Großbritannien Teil der EU bleibt, das haben sie in Gesprächen immer wieder deutlich gemacht.

Für Notre-Dame-de-Gravenchon, Brigitte Meeßen:
Seit mehr als 45 Jahren verbindet die Stadt Isny eine Partnerschaft mit Notre-Dame-de-Gravenchon in der Normandie. Dort haben wir viele Freunde gefunden und wir haben die Einsicht gewonnen, dass nur durch intensive Kontakte ein starkes und einiges Europa entstehen kann. Wir sind der Meinung, dass das gegenseitige Verstehen die Grundlage für das weitere Zusammenleben in Europa ist.
Wir denken und fühlen europäisch und deshalb gehen wir zur Wahl!

Für Flawil, Jan Rübsam:
Auch wenn die Schweiz weder bei der Europawahl teilnimmt, noch der EU angehört, erleben wir die Nähe doch im täglichen Miteinander so, als wäre die Schweiz ein Teil der EU. Die Ursprünge der Freundschaft zwischen Isny und Flawil reichen bis 1947 zurück, als Schweizer Familien viel Licht in das Leben von Hunderten von süddeutschen Kindern brachten, was keineswegs selbstverständlich war. Die europäische Idee hat uns die längste Zeit des Friedens hierzulande beschert, die alten Feindschaften wurden beseitigt und das gegenseitige Verständnis wächst. Natürlich ist in der EU nicht alles perfekt, aber eine Alternative gibt es nicht, davon bin ich fest überzeugt. Sorgen wir für eine demokratische und stabile EU und gehen dann die Verbesserungen an. Das können wir unter anderem, indem wir bei der Europawahl von unserem Stimmrecht Gebrauch machen.