Eugen Felle – das Leben einer Künstlerpersönlichkeit


am 23.08.2019 von Barbara Rau

Tosca Maria Kühn hat eine Biographie ihres Urgroßvaters, des Isnyer Postkartenpioniers Eugen Felle geschrieben, die anlässlich des 150. Geburtstags am 4. September erscheint. Die Buchvorstellung ist am 7. September, 18 Uhr im Refektorium.

Außer einem kleinen Büchlein von 1980 von Dr. Manfred Felle und einer Diplomarbeit von Ines Ebert von 1999 gab es bislang keine größere Veröffentlichung über Eugen Felle. Angesichts, seiner Pionierleistung als* Postkartenmaler* und seines umfangreichen Schaffens aber auch wegen seiner Bedeutung als Isnyer (Unternehmer-) Persönlichkeit, war ein Buch über den Menschen Eugen Felle und sein Werk überfällig. Die Stadt Isny ist Herausgeber dieses Bandes.
Akribische Recherche, viele Stunden in Archiven und beim Studieren von Kirchenbüchern und nicht zuletzt die Sichtung von sehr viel Material, das in der Familie vorhanden ist – Tosca Maria Kühn hat intensiv für die Biographie ihres Urgroßvaters gesammelt und zusammengetragen. Dabei konnte sie sich zusätzlich auf die jahrzehntelange For-schungsarbeit ihres Vaters Manfred Felle stützen. Es ging der Kulturwissenschaftlerin nicht nur um den Schöpfer der Panoramakarten, die heute noch Sammler begeistern. Aus vielen kleinen Hinweisen und Entdeckungen ergab sich auch ein Bild der Persönlichkeit Eugen Felles. „Fakten sagen viel über Menschen aus, sie sprechen für sich“, weiß Tosca Maria Kühn. Als Beispiel nennt sie die Tatsache, dass Eugen Felle mit 17 Jahren an der Münchner Kunstakademie aufgenommen worden ist und damit als einer der jüngsten Studenten seiner Zeit. Dieser Schritt spricht für sein Selbstbewusstsein und seine Begeisterung aber auch für sein früh ausgereiftes künstlerisches Talent. Gab es doch strenge Aufnahmekriterien und ein Probestudium an der Akademie. Für einen Buben im Isny des 19. Jahrhunderts war diese Laufbahn eher nicht vorherzusehen. Seine Kindheitstagebücher mit vielen Zeichnungen geben Aufschluss über Eugens Talent, zeigen aber auch das Leben in einer Allgäuer Kleinstadt jener Zeit.

Künstler und guter Geschäftsmann

Aus dem, was Tosca Maria Kühn über Eugen Felle recherchiert hat, ergibt sich das Bild einer besonderen Persönlichkeit. Er scheint ein einnehmendes Wesen gehabt zu haben und ein fortschrittlicher Mann gewesen zu sein. Hat er doch für das Gewerbe seiner Frau eine Werbepostkarte gezeichnet, in einer Zeit, in der es noch nicht einmal das Frau-enwahlrecht gab. Bei allem künstlerischen Talent war er obendrein ein guter Geschäftsmann, der mit seiner Begeisterung auch Kunden gewinnen konnte. In der Gefahr, ihn zu verklären, war seine Urenkelin jedoch nicht. Zum einen hat sie ihn ja nicht persönlich kennengelernt, zum anderen war sie, gerade weil es sich um den Urgroßvater handelt, strenger mit sich, wie sie selbst sagt, und schaute besonders kritisch auf ihre Arbeit. Tatsächlich fand sich jedoch niemand, der Kritik an Eugen Felle geäußert hätte, auch alle Fakten, Hinweise und Begebenheiten zeichneten das positive Bild, das sich Familie und Zeitgenossen gemacht hatten.
Museumsleiterin Ute Seibold sieht dieses Buch als wichtige Ergänzung der Museumsarbeit, „es bildet ein Stück Geschichte von Isny ab“. Von solcher Recherche profitierten Museum und Stadtarchiv, „das könnten wir im Detail gar nicht leisten“. Mit dem Lebensbericht dieses Sohnes der Stadt würden Menschen überdies mehr anfangen als mit nackten Zahlen und Fakten, „das ist griffiger“. Selbst Gäste, die irgendwoanders auf eine Felle-Postkarte stoßen, würden sich an Isny erinnern, darin sieht Ute Seibold ein weiteres Plus für die Stadt.
Dank einer großzügigen Spende konnte das Buchprojekt realisiert werden. Gedruckt wird es im Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg.

Info: Die Ausstellung „Panorama_Heimat“ mit Postkarten von Eugen Felle in der Städtischen Galerie im Schloss läuft noch bis 8. September. Das Buch „Eugen Felle – Postkartenpionier und Künstlerpersönlichkeit“ von Tosca Maria Kühn, Kunstverlag Josef Fink, ist ab 7. September für 24.90 Euro in den Isnyer Buchhandlungen erhältlich. Die Buchvorstellung ist am Samstag, 7. September, 18 Uhr im Refektorium Schloss Isny.