Wie wappnet sich Isny für Hochwasser?


am 10.08.2021 von Barbara Rau

Die Bilder und Berichte aus den Katastrophengebieten werden auch in der Stadtverwaltung mit großer Sorge und Anteilnahme gesehen. Die Frage, welche Auswirkungen vergleichbares Hochwasser hier haben könnte, bewegt alle Verantwortlichen.

Allerdings ist Hochwasser nicht erst seit den jüngsten Starkregenereignissen in der Verwaltung ein Thema.
„Isny hat in der Vergangenheit schon einiges für den klassischen Hochwasserschutz getan“, betont Bürgermeister Rainer Magenreuter. Seit 2004 gibt es ein Hochwasserschutzkonzept. In die-ses einbezogen ist das seit Jahrhunderten bestehende große Rückhaltebecken im Gelände des ehemaligen Gschwendweiher. Es puffert den Rotbach ab, der dieses Becken flutet. 2006 bis 2009 hat die Stadt im Zuge der B 12-Umfahrung das Rückhaltebecken Bleichenweiher mit 22.000 Kubikmeter für 1,1 Mio. Euro mit einer Überleitung des Krebsbaches angelegt. Das entsprach in etwa den Anfordernissen für ein 100-jähriges Hochwasser. Der kleine Felderholzweiher (neben dem Waldbad) wurde für Hochwasserlagen ertüchtigt. Rohrdorfer Bach und Krebs-bach/Stadtbach ließ man von einem Fachbüro auf Hochwassergefahren untersuchen. Das Kanalsystem ist in der Dimensionierung zwar immer wieder angepasst worden, für Hochwässer ist es jedoch nicht ausgelegt. „Dafür sind Abwasserkanäle nicht geeignet“, erklärt Berthold Abt, der Leiter des Wasser- und Abwasserverbands Untere Argen (WAV), „das wäre weder wirtschaftlich noch funktionell“. Im Isnyer Baubetriebshof gibt es einen Ablaufplan für Hochwassersituationen, beispielsweise wenn Verklausungen, d.h. Verstopfungen an Brücken oder Durchlässen, drohen.
Das Land Baden-Württemberg ist in Sachen Hochwasserschutz schon lange tätig. Es hat Hochwassergefahrenkarten (www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de/hochwassergefahrenkarten) erstellt. Auch die Gewässer, die für Isny relevant sind, sind darin aufgeführt. Und es gibt Starkregenrisikopläne, die lokal umgesetzt werden.

Mit kritischen Szenarien beschäftigen

„Aber bei solchen Extremst-Niederschlagsereignissen mit bis zu 300 mm in kurzer Zeit, der Menge die sonst bei uns in zwei bis drei Monaten fällt, greifen die bisherigen Systeme nicht“, gibt Bürgermeister Magenreuter zu bedenken. Dazu komme, dass bei solchen Ereignissen die lokale Vorhersage sehr schwierig und die Vorwarnzeiten extrem kurz seien oder gegen Null gehen. „Dann stellt sich eher die Frage, welche Bereiche nicht gefährdet sind.“
Die aktuellen Ereignisse müssten durch Bund, Land, dem Landkreis als unterer Katastrophen-schutzbehörde und der jeweiligen Kommune aufgearbeitet werden.
„Wir befassen uns innerhalb der Verwaltung mit allen denkbaren kritischen Szenarien und den daraus resultierenden Aufgaben und Maßnahmen“, versichert der Bürgermeister. Dazu gehört auch die Alarmierung der Bevölkerung. Immerhin hat Isny eine der wenigen funktionierenden Sirenen auf dem Rathausdach, wie sich beim bundesweiten Warntag 2020 zeigte. Dank sehr engagierter Kameraden der Feuerwehr Isny war sie einsatzfähig. In der Finanzplanung für 2022 ist zudem eine erste Rate für neue Sirenen vorgesehen.