Spurenstoffe beschäftigen den WAV


am 10.12.2019 von Barbara Rau

Spurenstoffe werden die Kläranlagen in Zukunft intensiv beschäftigen. Der Wasser- und Abwasserverband Untere Argen (WAV) ließ sich von Michael Brandt, Sachgebietsleiter Abwasser- und Gewässerschutz beim Landratsamt, in die umfangreiche Thematik einführen.

„Wir als Bodensee-Einleiter müssen uns sensibilisieren“, erklärte Berthold Abt, der technische Verbandsleiter des WAV, warum er Brandt zu diesem Vortrag eingeladen hat. Die Kläranlage Unterried leitet über die Argen in den Bodensee ein. Aber was sind Spurenstoffe? Sie umfassen laut Brandt tausende von Verbindungen und die meisten sind vom Menschen selbst produziert. Industriechemikalien, Flammschutzmittel, Schwermetalle, Chlorierte Kohlenwasserstoffe, Arzneimittelwirkstoffe, Nahrungszusatzstoffe, Tenside und Weichmacher, Korrosionsschutzmittel, Pflanzenschutzmittel und Mikrokunststoffe. Und dann gibt es noch die Metabolite, sie entstehen, wenn diese Spurenstoffe untereinander reagieren und neue chemische Verbindungen eingehen. All diese Spurenstoffe werden beispielsweise im Bodenseewasser gefunden. Sie wirken sich auf Menschen und Tiere aus, machte der Fachmann klar, da lasse sich nichts weg-diskutieren. „Wir haben schon verweiblichte Fische und solche mit Leberschäden.“
Baden-Württemberg setze auf die Zwei-Säulen-Strategie: vermeiden und rausfiltern. Bei der Vermeidung gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten, es zählt auch das Konsumverhalten jedes Einzelnen.
Das Bodenseeeinzugsgebiet ist besonders schützenswert, aufgrund seiner Funktion als Trinkwasserspeicher und wert-volles Ökosystem. In dem Gebiet befindet sich auch die Kläranlage in Unterried. Alle größeren Kläranlagen (mit mehr als 10.000 Einwohnergleichwerten (EW)) in diesem Bereich stehen im besonderen Fokus. Ziel ist es diese Anlagen mit einer Spurenstoffelimination auszustatten. Die Kläranlage des WAV in Unterried hat 40.000 EW. Derzeit setze das Ministerium „noch“ auf Freiwilligkeit. Brandt rät, nicht zu warten bis es Pflicht wird. „Bei Mikrokunststoffen sind wir dank der eingebauten Sandfilter schon gut aufgestellt“, betont Abt.

Mehrere Verfahren

Für die Elimination der meisten Spurenstoffe kommen drei Verfahren in Frage: oxidativ (mit Ozon), adsorptiv mit Aktiv-kohle (zwei Varianten) oder physikalisch (durch Ultrafiltration). Alle Verfahren haben Vor- und Nachteile, teuer sind sie allemal. Bisher gibt es vom Land pauschal 20 Prozent Förderung der Herstellungskosten, bei höheren Gebühren kann das bis zu 80 Prozent gehen. Das Kompetenzzentrum Spurenstoffe BW hat ermittelt, dass bei den Anlagen die bereits Spurenstoffelimination betreiben, die realen Kosten zu einer Erhöhung in der Größenordnung von 25 Cent/Kubikmeter der Abwassergebühr geführt haben. Je nach Verbrauch bedeutet das bis zu zehn Euro pro Person im Jahr.
Hinzu kommt, dass der Energieverbrauch sehr hoch ist. Das ist etwas, was Bürgermeister Rainer Magenreuter um-treibt. „Diese Maßnahmen werden den Stromverbrauch, den wir in der Kläranlage optimiert haben, immens nach oben schnellen lassen. Das muss man in der gesamtökologischen Betrachtung einbeziehen.“ Grundsätzlich wisse man natürlich, dass Handlungsbedarf bestehe.
Der WAV hat schon in der Vergangenheit Studien zu den Spurenstoffen in Auftrag gegeben. Aber es gibt neue Aspekte und neue Verfahrenstechnik, eine Neuauflage (Kosten ca. 10.000 Euro) wäre daher wünschenswert. „Damit wir für unsere Anlage wissen, woran wir sind“, sagte Abt. Das sahen auch die Verbandsräte so.

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