Unterricht in Corona-Zeiten – wie lief es, wie geht es weiter?


am 29.06.2020 von Barbara Rau

Die letzten Monate stellten alle Isnyer Schulen vor große Herausforderungen und Aufgaben, für die es keine Erfahrungswerte gibt. Wanda Rohse, Schulleiterin der Verbundschule und ihre Stellvertreter Samuel Holzhäuer und Wolfgang Grimm berichten.

Frau Rohse, können Sie in einem Satz ein Fazit ziehen, wie Sie Schule seit den Einschränkungen wegen Corona empfunden haben? Was hat Ihnen selbst am meisten zu schaffen gemacht?
Wanda Rohse: Zu Beginn haben wir uns ziemlich einsam gefühlt. Von einem Tag auf den ande-ren waren plötzlich alle Schülerinnen und Schüler, alle Kolleginnen und Kollegen und alle Ter-mine und auch alle Vorgaben weg. Es musste ein Krisenplan erstellt werden, für den es zunächst keine Vorgaben oder Erfahrungen gab. Die ständigen Veränderungen und die damit verbundene Verunsicherung, die das Virus mit sich brachte und immer noch bringt, belastet uns Schulleite-rinnen und Schulleiter sehr.
Am Montag, 15.6. begann wieder der Unterricht für alle Schüler. Sie haben annähernd 700 Schülerinnen und Schüler und durch den Neubau sowieso eine beengte Raumsituation. Wie schaffen Sie es nun, die Corona-Regelungen umzusetzen?
Es geht nicht nur um fehlende Räumlichkeiten. Frau Karliczek, die Bundesministerin für Bildung und Forschung, hat ja vorgeschlagen Container aufzustellen. Wir unterrichten aber schon jahrelang in Containern und es gibt auf unserem Schulgelände keinen Platz für weitere. Aber es geht auch darum, ca. 20 Prozent der Lehrkräfte zu ersetzen, die zur Risikogruppe gehören. Wir sind also räumlich tatsächlich sehr eingeschränkt. Nichts desto trotz wollten wir alle Möglichkeiten nutzen, um so vielen Schülerinnen und Schülern wie möglich schnellstens wieder Unterricht zu erteilen. Ein ausgeklügelter Hygieneplan half uns, dieses Ziel für die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch den Eltern gegenüber zu erreichen. Darauf sind wir sehr stolz. Wir konnten sogar ein Präsenzangebot für digital schwer erreichbare Kinder auf die Beine stellen. Dank des hohen Engagements aller Kolleginnen und Kollegen, Sekretärinnen, des Schulträ-gers, der Karrierebegleiterin, der Hausmeister, der Bundesfreiwilligen, der Schulsozialarbeiterin-nen und der Elternschaft können wir bisher ganz passabel damit umgehen. Für alle Beteiligten ist dies Neuland. Wertvoll waren für uns Erfahrungen und Tipps zur Verbesserung. Wir haben je-de Woche dazu gelernt.
Also eine Herkules-Aufgabe?
Na ja, eine Herausforderung ist es schon. Wir haben die Klassenstärke halbiert, zu Gruppen mit max. 16 Kindern, damit in den Klassenzimmern Abstand gehalten werden kann. Unterricht findet im wöchentlichen Wechsel statt. Sportunterricht, Ganztagesangebote und Förderstunden müssen entfallen. In der Präsenzphase werden u.a. Aufgaben für das Lernen zuhause vorbereitet. So wer-den alle Schülerinnen und Schüler bis zu den Sommerferien noch drei Wochen Präsenzunterricht genießen dürfen.
Wie sieht das konkret in den Pausen aus? Kann man trotz Hygiene und Abstand halten auch noch vernünftig unterrichten?
Mit den Klassen 9 und 10, die bereits seit dem 4. Mai wieder im Schulgebäude unterrichtet wurden, haben wir gute Erfahrungen gemacht. Viel hängt von der Disziplin der Schülerinnen und Schüler ab. Organisatorisch haben wir alles Denkbare vorbereitet. Es gibt zugewiesene Eingänge und Pausenhofbereiche, jede Gruppe wird von einer Lehrkraft in die Pause begleitet, die Pausen erfolgen etwas zeitversetzt, damit in den engen Aufgängen unserer Schule möglichst keine Begegnungen stattfinden müssen. In den Klassenzimmern sind die Positionen der Tische vermessen und markiert, vor jedem Betreten des Klassenzimmers müssen die Hände gewaschen oder desinfiziert werden. Laufrichtungen in den Gängen wurden markiert.
Welche Erfahrungen haben die Lehrkräfte in den „Zwangsferien“ gemacht?
Mit diesem Begriff würden Sie den Lehrern nicht gerecht werden. Es hat enorme Anstrengungen auf der Seite der Eltern, aber auch bei den Lehrkräften gegeben, die Kinder einigermaßen zum Lernen zu bringen. Die Kolleginnen und Kollegen mussten ihre Klassen mit Lernpaketen versorgen, von null auf hundert Online-Unterricht organisieren und das unter suboptimalen Bedingungen.
Warum war das so schwierig? Wie sind die Voraussetzungen für digitalen Unterricht bei Ihnen an der Schule?
Zuerst einmal waren wir ziemlich ratlos. Wie geht das technisch? Wie erreiche ich alle Eltern und vor allem die Kinder? Kann das alles entsprechend der Datenschutzgesetze umgesetzt werden? Auf welcher Plattform? Mit privaten E-Mail-Adressen? Mit privater Hardware? WhatsApp/Facebook sind für die Schule ja tabu. Es gab überhaupt keine Voraussetzungen für gelingenden digitalen Unterricht. Homeoffice gibt es nicht für Lehrerinnen und Lehrer und damit auch keine Laptops, Kameras und Mikrophone für die Heimarbeit. Zum Glück haben wir mehrere Informatik-Asse im Kollegium, die Notfall-Lösungen entwickelt haben. Bald gab es Open-Source-Lösungen und in vielen Klassen auch Online-Unterrichtsangebote. Mittlerweile können wir auch auf Lösungen vom Land zurückgreifen, finanziell aber auch datenschutzrechtlich eine echte Erleichterung.
Mussten Sie Lehrer zum Online-Unterrichten drängen?
Nein, das könnten wir gar nicht verlangen, aber es gab einen unglaublichen Aufbruch bei vielen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Privatgeräte nutzten, um hier Neuland zu betreten. Trotz mangelhafter digitaler Bedingungen haben wir erstaunlich viel hinbekommen. Die Schwierigkeiten lagen natürlich in der miserablen Netzabdeckung (es gibt immer noch Haushalte ohne vernünftiges Internet) und der mangelnden IT-Ausstattung vor allem bei vielen Kindern. Die konn-ten nur ihr Handy auf den Schreibtisch stellen und hoffen, dass die Internetverbindung nicht abreißt.
Was passierte mit Kindern ohne Online-Anbindung? Hatten Sie den Eindruck, dass Ihnen manche Schüler und Schülerinnen entgleiten?
Wir haben sowieso versucht, alle per Mail, telefonisch oder postalisch zu erreichen und es gibt Lehrkräfte, die persönlich zuhause Besuche abgestattet haben. Außerdem konnten Kinder, die gar nicht erreichbar waren, in Kleinstgruppen zur Schule kommen, so wie die Kinder in der Notbetreuung, deren Eltern systemrelevant arbeiten. Trotzdem war es unmöglich, alle Kinder für uns zufriedenstellend zu betreuen und so blieb natürlich der Großteil an den Eltern hängen. Für die geleistete Unterstützung verdienen alle Familien höchsten Respekt. Eltern, wie auch die Kinder.
Wo sollte das Land dringend nachsteuern?
Die digitale Infrastruktur für die Schule muss zeitgemäß aufgebaut werden. Es ist ja jetzt neben dem Digitalpakt wieder Geld geplant zur Anschaffung von Tablets für Kinder, die sonst nicht digital erreichbar sind. Es geht aber nicht nur um Hard- und Software, sondern auch um Fortbildungsangebote für Lehrkräfte. Außerdem benötigen Schulen unterstützende IT-Fachkräfte als Administratoren und datenschutzrechtliche Absicherung. Wer soll sonst die vielen Geräte pflegen und verwalten, denn Lehrerinnen und Lehrer sind Pädagogen und keine IT- Fachkräfte.
Herr Holzhäuer, haben Sie sich Ihr erstes Jahr als Konrektor so vorgestellt?
Nein, sicherlich nicht. Der übliche Jahresablauf wurde durch Corona ziemlich durcheinanderge-würfelt. Im 2. Schulhalbjahr mussten wir mehrere neue Stundenpläne machen, die Prüfungen nach den neuen Richtlinien gestalten, die Notbetreuung organisieren, den Einstieg in digitale Unterrichtsmöglichkeiten unterstützen und verschiedene neuen Vorgaben des Ministeriums und Schulamts umsetzen. Bei den Herausforderungen, die sich aktuell stellen, bin ich besonders dankbar für meine Kolleginnen und Kollegen und auch für die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern, die sich gut auf die aktuelle Situation eingelassen haben. Aktuell beschäftigen uns bereits die Planungen für das kommende Schuljahr, wobei wir auch hier noch nicht genau wissen, unter welchen Bedingungen wir ins nächste Schuljahr starten dürfen.
Herr Grimm, Sie gehen mit Beginn der Sommerferien in Pension. Was wünschen Sie Ihrer Schule für die Zukunft?
Ich hoffe und wünsche mir wie alle Lehrkräfte, dass nach den Ferien aufgrund der verschwindenden Neuinfektionen wieder normaler Unterricht stattfinden kann, auch wenn man bestimmte Hygieneregeln noch einhalten muss. Denn selbst der beste digitale Unterricht wird meiner Meinung nach niemals den klassischen Unterricht und die Beziehung zur Lehrkraft und zu den Mitschülern ersetzen können. Und ich wünsche meinem Kollegium, dass der Neubau trotz Krisenzeit finanzierbar bleibt.

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