Schloss Isny 2020 – Ein Schloss als „Gesamtkunstwerk“


am 23.11.2019 von Barbara Rau

Das Projekt „Schloss Isny 2020“ steht. Damit wird das Isnyer Schloss mit Kunsthalle, Städtischer Galerie und Städtischem Museum unter einem Dach in die Mitte der Stadt gerückt, als attraktiver Ort aufgewertet und zur zentralen kulturellen Institution.

Für alle Beteiligten, nicht nur die Gemeinderäte, war es ein historischer Moment, als einstimmig das Konzept Schloss Isny 2020 beschlossen wurde. Diesem Moment gingen zwei Jahre intensiver Arbeit der Lenkungsgruppe mit Vertretern der Kunsthalle Friedrich Hechelmann, der Friedrich Hechelmann und Schloss Isny Kunst- und Kulturstiftung, der Städtischen Galerie, des Städtischen Museums, der Isny Marketing GmbH (IMG) und der Stadt Isny voraus. „Unser Ziel war klar: Drei Institutionen unter einem Dach zu vereinen, gemeinsam zu vermarkten und über diese Idee das Schloss zukunftsfähig zu machen“, fasst Frank Reubold, der als Leiter des Fachbereichs Interne Dienste, Bildung und Soziales auf Seiten der Stadt die Verhandlungen führte, zusammen. Gemeinsam sei um eine Lösung gerungen worden. Angesichts von drei unterschiedlichen Projektträgern plus Stiftung als Eigentümerin, war dies kein einfaches Unterfangen. Entscheidungen wurden und werden in der Lenkungsgruppe nur einstimmig gefällt, das gibt diesen mehr Gewicht. Das Schloss soll künftig neben der Kunsthalle Friedrich Hechelmann und der Städtischen Galerie auch das Städtische Museum beherbergen. Die Partner agieren weiterhin eigenständig und inhaltlich unabhängig, auch wegen der unterschiedlichen Zielgruppen. Sie werden sich aber thematisch absprechen und ergänzen, vieles wird künftig zentral organisiert und das immer auf qualitativ hohem Niveau.

Für die Friedrich Hechelmann und Schloss Isny Kunst- und Kulturstiftung war klar, das Schloss hat langfristig nur eine Zukunft, wenn adäquate Mieter gefunden werden. „Nun befinden wir uns auf einem guten Weg“, betont Brigitte Pletinckx, die im Stiftungsvorstand und Geschäftsführerin ist. Die Projektpartner eint, dass ihnen das Schloss und seine lebendige Nutzung sehr am Herzen liegen.

Vergleichbares gibt es kaum

Das ehemalige Kloster war die Keimzelle Isnys, im 19. Jahrhundert wurde es zum Schloss, nach dem zweiten Weltkrieg zum Pflegeheim. Es war für die Bevölkerung aber nie zugänglich und wurde über Jahrzehnte im Stadtleben weiterhin kaum wahrgenommen, bis eine Bürgerstiftung sich des Gebäudeensembles annahm und mit dem Einzug von Friedrich Hechelmann und seiner Kunsthalle das Schloss zur Bühne für Kunst wurde. Seit neun Jahren bereichert die Städtische Galerie diesen Ort, der „als Gesamtkunstwerk“ zu sehen ist, wie Karin Konrad, Leiterin des Kulturbüros, erklärt. Vergleichbares gebe es kaum. Mit dem nun beschlossenen Konzept wird der Stiftungszweck, das Schloss zugänglich zu machen und mit Leben zu erfüllen, noch mehr erfüllt.
„Es gibt kein Gebäude, das die Historie Isnys besser präsentiert“, sagt Bürgermeister Rainer Magenreuter. Für das Städtische Museum ist es daher idealer Standort, der Beschluss dazu fiel im Gemeinderat schon 2016. Es wird ein kulturgeschichtliches Museum mit sechs Themenkabinetten und drei Räumen für Wechselausstellungen. Museumsarbeit heute ist mehr als nur das Aus-stellen von Objekten. Mit dem neuen Standort wird Museumsleiterin Ute Seibold einen Schwer-punkt auf Vermittlung, auf Museumspädagogik legen. In einer bisherigen Hausmeisterwerkstatt entsteht ein Vermittlungsraum mit Nebenräumen, den alle Partner nutzen können, sei es für Workshops, Schulklassen oder Erwachsenenbildung aber auch als Besprechungsraum.
Gemeinsames Marketing, ein gemeinsamer Auftritt nach außen, dabei aber die Identität der einzelnen Partner zu bewahren, das wurde im Prozess als unverzichtbar erkannt. Ein Gestaltungskonzept, das „Barock mit Moderne“, Hechelmann und Otl Aicher, zusammenbringt, war gefragt. Da die Stadt derzeit ein neues Beschilderungskonzept auflegt, ist der Zeitpunkt ideal, dies aufeinander abzustimmen und das Schloss so in der Wahrnehmung zu stärken.
Brandschutz, Denkmalschutz und weitgehende Barrierefreiheit sind bauliche Hürden, die es nun architektonisch zu meistern gilt. Nicht nur Wunschdenken, sondern erreichbares Ziel sei die Erhöhung der Besucherzahlen. Da sind die Beteiligten sehr optimistisch. Besucher lösen ein Ticket für alle drei Bereiche, an den Öffnungszeiten ändert sich nichts. Die Shop-Situation wird auf die Partner ausgerichtet optimiert. Für die künftige Leitung und als Schnittstelle wird eine halbe Stelle eingerichtet.

Kosten: Gesamtinvestition 752.000 Euro, davon Städtisches Museum 544.000 Euro, Städtische Galerie 117.000 Euro, Kunsthalle 90.000 Euro. Jährliche Kosten Museum (einschließlich Personal) etwa 174.000 Euro (51.000 mehr als bisher), Städtische Galerie 90.500 Euro (34.000 Euro mehr). Die laufenden Betriebskosten und Einnahmen werden gedrittelt.