Obdachlosenberatung ist auch in der Pandemie tätig


am 05.02.2021 von Barbara Rau

Seit 2019 hat die Obdachlosenberatung im ehemaligen Krankenhaus ihr Büro. Wiebke Hauptkorn und Kerstin Hirnbacher beraten Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht sind oder bereits in der Obdachlosenunter-kunft leben. Mit einem neuen Flyer möchten sie ihre Beratung noch weiter bekannt machen.

Diakonie Oberschwaben Allgäu Bodensee, Ravensburg und DORNAHOF Altshausen haben die Beratungsstelle gemein-sam in Abstimmung mit der Stadt Isny eingerichtet. Die Beratungsstelle war und ist auch während der Pandemie stets für Hilfesuchende offene Anlaufstelle.
Eine der Aufgaben der Beratungsstelle ist es, jenen, die bereits in einer Obdachlosenunterkunft wohnen, zur Seite zu stehen und ihnen, wenn irgend möglich, den Weg zu einer regulären Wohnung zu ebnen. Mindestens genauso wich-tig ist aber die Aufgabe, Obdachlosigkeit zu verhindern.
„Je früher die Betreffenden zu uns kommen, desto eher schaffen wir es, dass Menschen gar nicht erst in eine Obdach-losenunterkunft ziehen müssen“, betonen die beiden Mitarbeiterinnen. Spätestens, wenn Mieter vor der Räumungsklage stehen, sollten sie sich melden. Vor Weihnachten schlugen in der Beratungsstelle Fälle auf, bei denen Men-schen seit einem halben Jahr bei Bekannten auf dem Sofa schlafen. Die Corona-Vorgaben machten es aber immer schwieriger, irgendwo privat unterzukommen.

Leidensdruck im Winter größer

Die Enge und der Winter hätten den Leidensdruck noch größer werden lassen, so dass die Betreffenden am Ende bei der Beratungsstelle landeten. „Wenn diese Menschen ein halbes Jahr früher gekommen wären, hätten wir viel mehr leisten können“, bedauert Kerstin Hirnbacher. Wohnungslosigkeit zieht viele Probleme nach sich: Wer keine Meldeadresse und keinen Job hat, bekommt keine sozialen Leistungen, ist nicht mehr bei der Krankenkasse angemeldet, Geld fehlt und der Berg an Problemen wird immer größer. Nicht jeder blickt im System durch und bei manchen Betroffenen geht es darum, zu helfen, damit sie stabil bleiben. „In einer Notlage funktioniert nichts mehr automatisch.“ So gehört die Unterstützung bei der Beantragung von finanzieller Hilfe, beim Kon-takt mit Ämtern, Fachdiensten und Institutionen dazu. Um zu zeigen, welche Möglichkeiten es für Hilfe gibt, haben die Beraterinnen einen neuen Flyer drucken lassen, der unter anderem bei der Tafel, der Polizei, im Sozialamt der Stadt und bei anderen Beratungsstellen verteilt wird.
Kerstin Hirnbacher und Wiebke Hauptkorn wollen mit dem Flyer auch die Hemmschwelle senken, ihre Beratung in Anspruch zu nehmen. Denn Wohnungslosigkeit kann auch Menschen treffen, die in einer augenscheinlich bürgerli-chen Existenz leben. Der Wohnungsmarkt ist extrem angespannt und bezahlbaren Wohnraum für Familien und Men-schen mit niedrigem Einkommen zu finden, nahezu unmöglich. Die Beratungsstelle ist für jeden da, der in Gefahr gerät, seine Wohnung zu verlieren. Seien es Probleme mit dem Vermieter, zeitweilige Zahlungsschwierigkeiten bei der Miete oder Kündigung wegen Eigenbedarf. „Wenn wir erreichen, dass der Mieter oder die Mieterin bleiben können, haben wir schon viel gewonnen.“
Vieles lässt sich telefonisch besprechen, aber der persönliche Kontakt ist unter Beachtung aller Corona-Regeln auch derzeit nach telefonischer Vereinbarung möglich.

Info: Obdachlosenberatung Isny, Wilhelmstraße 21, altes Krankenhaus, 1. Stock, 88316 Isny im Allgäu, Tel. 07562 97587-00, Mobil 0162 9778424, E-Mail: obdachlosenberatung-isny-diakonie-oab@dornahof.de