Konservatorische Maßnahmen an Rathaus-Gemälden


am 19.02.2020 von Barbara Rau

Die Stadt Isny hat einen bemerkenswerten Bestand an Gemälden und Skulpturen innerhalb ihrer Kunstsammlung. Restaurator und Kirchenmaler Erwin Roth aus Ausnang wurde mit konservatorischen Arbeiten an einigen Gemälden und Skulpturen im Rathaus beauftragt.

Auf den ersten laienhaften Blick scheint das Gemälde von 1782, das eine Hafenszene mit Schiffen zeigt, völlig in Ordnung zu sein. Der zweite genauere Blick offenbart winzige Schäden. „Die Bilder hängen im historischen Sitzungssaal nicht unter idealen musealen Bedingungen“, stellt Erwin Roth fest. Das Hauptproblem ist die Heizung. Der Raum wird nahezu täglich genutzt und der Wechsel von Raumtemperatur und Feuchtigkeit, der ständige Wandel in den Bedingungen, setzt den Bildern zu. Die Leinwand und das Holz des Rahmens sind lebendiges Material. „Die Leinwand nimmt Feuchtigkeit auf und zieht sich beim Trocknen wieder zusammen“, erklärt der Fachmann. Grundierung und Farbe wiederum seien „totes Material“. Das erzeugt Spannung auf dem Bildträger, „die Malerei macht das nicht mit.“ Es gibt „Schollenbildung“, Risse, winzige Abplatzungen. Roth trägt an entsprechenden Stellen akribisch Spiritus auf, der sich in die Leinwand einzieht, fügt Bindemittel hinzu und legt danach mit Wärme die Farbe wieder auf der Leinwand an. Leinwand verliert auf Dauer an Spannung und so muss auch mancher Keilrahmen wieder nachgespannt werden.
„Wenn man alle zwei bis drei Jahre solche konservatorischen Arbeiten macht, braucht man sich um die Bilder keine Sorgen zu machen“, sagt Erwin Roth. Diese Bestandssicherung spare letztlich auch Kosten. Wie bei der Stadt Isny mit dem Kunstbestand umgegangen wird, findet der Restaurator vorbildlich. Zum einen, weil die gesamte Isnyer Kunstsammlung 2017 katalogisiert worden ist. Zum anderen, weil in die Bestandssicherung investiert wird.
Im Bürgermeisterzimmer kümmert sich Erwin Roth unter anderem um ein Kruzifix und eine Muttergottes. Die drei Bildnisse historischer Persönlichkeiten im Vorzimmer des Bürgermeisters dürfen sogar auf Reisen gehen. Die nimmt er mit in seine Werkstatt.