Jugendliche des 8er-Rats präsentieren Ihre Ideen für Isny


am 09.08.2022 von Barbara Rau

In den baden-württembergischen Bildungsplänen sind Themen wie „Demokratie in der Gemeinde“, Mitbestimmung und Mitwirkung im Gemeinwesen“ oder „Demokratische Möglichkeiten der Einflussnahme“ für den Unterricht in den achten Klassen vorgesehen. Deshalb ist der 8er-Rat in Isny umgesetzt worden.

Diesen Unterrichtstoff mit realen Lebenswelten Jugendlicher in Isny zu verknüpfen, ist der Grundgedanke des Jugend-beteiligungsformats „8er-Rat“, dessen Einführung der Isnyer Gemeinderat 2019 einstimmig befürwortete. Jugendsozialarbeit, Stadtverwaltung und Schule arbeiten bei der Begleitung und Umsetzung der Jugendlichen des 8er-Rats zusammen und ermöglichen so, dass die Jugendlichen nicht nur diskutieren und sich Gedanken zu Ihrer Stadt Isny machen, sondern die Chance bekommen ihre Ideen auch in die Tat umzusetzen.
Von der Idee bis zur Umsetzung ist es manchmal ein langer Weg, Kompromisse gilt es zu finden. Eine Umsetzung kann auch an Dingen scheitern, die vorher niemand bedachte. Diese Lernerfahrung und die Prozesse gehören zum Konzept des 8er-Rats, weswegen dieser über ein ganzes Schuljahr angelegt ist.
Vor Beginn der Sommerferien fand der diesjährige 8er-Rat seinen vorläufigen Abschluss bei einer großen Ideenkonferenz im Paul-Fagius Haus in Isny. 75 Jugendliche waren mit ihren jeweiligen Lehrerinnen und Lehrern wurden dort schon von Katharina Zapf, der Projektleiterin des 8er-Rats, den Isnyer Jungendarbeitern, den Schulsozialarbeiterinnen der beteiligten Schulen und Matthias Hellmann, dem Kinder, Jugend- und Familienbeauftragten erwartet. Auch Hauptamtsleiter Frank Reubold und Alexandra Kreisle von der Stadtverwaltung Isny, sowie Peter Manz, der den er-krankten Bürgermeister Rainer Magenreuter vertrat und die Schulleitung der Verbundschule mit Konrektor Samuel Holzhäuer und Wanda Rohse gehörten dazu.

Konferenz mit Experten und Paten

Katharina Zapf blickte auf das ganze Schuljahr zurück. Bei der ersten 8er-Rat Konferenz im November 2021 waren noch Gesichtsmasken auf den Fotos der Bildershow zu sehen und die drei Schulklassen musste noch jede für sich ins Gespräch kommen, eine Durchmischung war zu dem Zeitpunkt nicht erlaubt. Doch diese Konferenz legte den Grund-stein für den weiteren Verlauf und erste Projektideen wurden gesammelt. Im Januar wurde jede Klasse dabei begleitet, aus der umfangreichen Ideensammlung auszusortieren. Bei der zweiten großen 8er-Rat Veranstaltung im April konferierten die Jugendlichen erstmals schulübergreifend. Die vier großen Themenblöcke lauteten „Nachhaltigkeit und Umwelt“, „Mobilität“, „Freizeitangebote und Freizeitort für Jugendliche in Isny“ und „Schule“. Besonderheit dieser zweiten Konferenz war, dass die Jugendlichen von Experten und Paten bei der Ideenentwicklung bis zu einer möglichen Umsetzung beraten wurden. Frank Reubold, Lena Klause und Marion Kolb von der Mobilitätszentrale, Alexandra Haug aus dem Städtischen Bauamt und Alexandra Kreisle, Sachgebietsleitung Bildung und Soziales sowie Stadträtin Miriam Mayer standen den Jugendlichen neben den Lehrkräften, Jugendsozialarbeitern und den Beteiligungsprofis vom Kreisjugendring beratend zur Seite. Für alle Ideen wurden Projektpläne entworfen, die die nächsten Schritte für eine mögliche Umsetzung skizzierten.
Nach den Osterferien hatten die Jugendlichen jeden Mittwochnachmittag bei einer „Projektwerkstatt 8er-Rat“ die Möglichkeit, an ihren Ideen weiterzuarbeiten. Manche Projektgruppen und Jugendlichen nahmen dieses Angebot wahr, um mit Ihrer Idee voranzukommen, manche wollten ohne Unterstützung weiterarbeiten und andere beließen es bei der guten Idee, die sie skizziert und diskutiert hatten.
Bei der Abschlusskonferenz des 8er-Rats wurden alle Ideen vorgestellt. Die Projektgruppen, die sich mit Freizeitorten und Angeboten für Jugendliche in Isny beschäftigt haben, sind schon weit vorangekommen. Viele Ideen für Angebote im Jugendhaus in Isny wurden gesammelt. Zu einem Nachmittag der Offenen Tür kamen Ende Juni über 50 Jugendliche und erklärten sich bereit, bei der Umsetzung der Angebote mitzumachen und mitzuhelfen und sofort mit anzupacken. Eine Gruppe Verbundschüler hat inzwischen Möbel gebaut. Der neue Jugendhausleiter Max Konrad ist froh über diesen Rückenwind der nachkommenden Generation. Auch am Skateplatz soll etwas geschehen. Die Jugendlichen empfehlen die Aufstellung von Sitzgelegenheiten und Mülleimern. Ein Outdoorgym wäre ein wirklicher Zugewinn für Isny, so ihre Einschätzung.
Die Gruppen, die sich mit der Schule und den Schulgebäuden beschäftigt haben, listeten Snackautoamt, längere Pause oder späterer Schulbeginn auf. Im neuen Schulgebäude der Verbundschule ist einiges aufgegriffen, was den Schüle-rinnen und Schülern wichtig an ihrer Schule ist. Überdachte Fahrradständer und ausreichend Sitzgelegenheiten auf dem Schulhof gehörten dazu. Samuel Holzhäuer konnte den Jugendlichen beim Abschluss stolz berichten, dass es im neuen Schulgebäude Tablets geben wird, mit denen eine ganze Schulklasse arbeiten kann – auch eine Idee aus dem 8er-Rat.

Konkrete Vorschläge

In der Themengruppe „Mobilität“ empfahlen zwei Jugendliche, im Schulbusverkehr auch E-Busse einzusetzen. Dar-über diskutierten sie mit den Mitarbeiterinnen der Mobilitätszentrale Isny und stellten ihre Recherchen zur CO2-Einsparung vor. E-Scooter zum Verleih sollten geprüft werden, meinen die Jugendlichen, auch wenn sie als Vierzehn-jährige noch gar nicht leihen dürften. Besonders die Strecke zwischen der Bushaltestelle und den Kliniken in Neutrauchburg könne für Verleiher interessant sein. Auch mit dem Hauptverkehrsmittel vieler Jugendlichen, dem Fahrrad, hat sich eine Gruppe beschäftigt. Sie sähe überdachte Fahrradständer in der Innenstadt als Vorteil.
Der Erhalt der Artenvielfalt, war den Jugendlichen aus der Gruppe „Nachhaltigkeit und Umwelt“ ein wichtiges Anliegen. Mit Alexandra Haug prüften sie auf einem Stadtspaziergang, wo eine Blumenwiese für Bienen angelegt werden könnte. In der Nähe der Schulen am Skateplatz wurden sie fündig. Zur Aussaat war es dieses Jahr schon zu spät, aber das Plätzchen ist für eine Umsetzung im kommenden Jahr reserviert. Andere möchten ein Insektenhotel zu dieser Blumenwiese beisteuern und wären auch als Neuntklässler noch bereit mitanzupacken.
Geschäftsführende Schulleiterin Wanda Rohse richtete am Ende ihren Dank im Namen aller Schulleitungen an die Jugendlichen, die sich so engagiert eingebracht haben und in diesem ganz neuen Format vieles erfahren konnten. Auch den drei Lehrkräften Matthias Etheveneaux, Marius Reich und Petra Hennighaus, die ihre 8ten Klassen ein gan-zes Schuljahr intensiv begleiteten, dankte sie.
Peter Manz war sichtlich beeindruckt von den Jugendlichen und ermunterte sie, sich weiterhin einzusetzen und den nächsten 8er-Rat bei der Umsetzung zu unterstützen. Er überreichte den Preis der Stadt Isny für das neue Logo des 8er Rats. Fast 20 Vorschläge haben die Jugendlichen eingereicht und bei der Abschlusskonferenz den Favoriten bestimmt. Das Logo, das Wiedererkennungszeichen des 8er Rats werden soll, erscheint erstmals auf einem Abschlussgeschenk, das die Jugendlichen nach den Sommerferien erhalten werden.
Der 8er-Rat soll im neuen Schuljahr weitergehen. Im Herbst sollen die Ergebnisse und Erfahrungen auch noch dem Gemeinderat vorgestellt werden, der einer Verlängerung zustimmen muss. Die Erste Projektphase der Einführung wur-de unterstützt über eine finanzielle Förderung der Jugendstiftung Baden-Württemberg im Rahmen des Programms „Jugend Bewegt“.

Text von Matthias Hellmann, Kinder-, Jugend- und Familienbeauftragter der Stadt Isny