„Freundschaft, das ist wie Heimat“ - Besuch in Sotkamo
am 12.08.2025
Petra Eyssel berichtet über die Fahrt nach Sotkamo im Juli: Tervetuola, herzlich Willkommen. So steht es auf unserer Programmübersicht, die uns Marko Karvonen bei der Ankunft überreicht. Wir sind eine Gruppe aus 26 Reisenden, bestehend aus der Städtepartnerschaft Isny und der F. Hechelmann und Schloss Isny Kunst-und Kulturstiftung.
Um 5.03 Uhr sind wir in Isny mit öffentlichen Verkehrsmitteln gestartet. Unser Ziel, die Partnerstadt Sotkamo in Finnland. Marko ist Kultur Manager und bringt uns nach Vuokatimaa zu Petri Heikkinen und seiner Frau Larissa. Dort beziehen wir unsere Ferienhütten am See, um wenig später mit einer leckereren Lachssuppe und Pfannkuchen mit Beeren verwöhnt zu werden. Gegen die Mücken gibt es eine Teerlösung zum Einreiben. Inwendig wird diese gerne als Schnaps verabreicht. Es wird hier einfach nicht dunkel, und so singen wir bis spät in die Nacht, Otto Schubert spielt Gitarre, auch Bürgermeister Rainer Magenreuter greift in die Saiten.
Donnerstagmorgen, wir besuchen die Mittelschule Tenetti. Merja Ojalammi, verantwortlich für Erziehung und Kultur der Stadt Sotkamo und Anne Lukkari, Lehrerin an dieser Schule und Gemeinderätin, begrüßen uns und führen uns durch die „Schuhlose Schule“, in der 350 Kinder im Alter von 9 – 13 Jahren keine Schuhe tragen. Was es damit auf sich hat, erklärt uns Anne. Die Kinder sollen hier gute Umgangsformen annehmen, ihre eigenen Stärken finden und unterschiedliche Fähigkeiten und Kreativität entwickeln. Wohlfühl – Atmosphäre pur. Die Räume, die Farbgebung, das Mobiliar sind ansprechend, modern und einladend. Die Architektur ist eng mit der Planung und Konzeption, wie kann ich gut lernen, verbunden. Klassengröße 16 Kinder. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Setzen uns in die Klassenräume, spüren wie gut es sich hier lernen lässt. Merja betont, dass die Schule mehr ist als ein Ort des Lernens, sie ist eine Investition in den Gemeinschaftsgeist und die Zukunft von Sotkamo als Ganzes.
Kammermusik und Baseball
Nach dem Mittagessen treffen wir am Marktplatz ein. Karin Konrad, Geschäftsleitung Isny Marketing und Anna Wieland, haben bereits einen Stand mit Isny Produkten eingerichtet. Karin berichtet, dass sie mit vielen Finnen ins Gespräch kommt. Sie fragen nach Isny, probieren ihr Deutschkenntnisse aus und kaufen ein. Karin findet es absolut spannend und erfährt ganz viel über die Finnen.
Nach einer kurzen Pause am See besucht ein Teil der Gruppe das Kuhmo Kammermusik Konzert mit dem Affinity Quartet. Der andere Teil schaut sich das Baseball-Spiel Sotkamon Jymy gegen Alajärven Ankkurit im Stadion an. Ganz klar gewinnt der Favorit, die Mannschaft aus Sotkamo.
Der Freitag gibt uns Einblicke in die Oberschule. Reinikka Mauri, Rektor der Schule führt uns durch das neue Gebäude, unterstützt von Riika Huotari, Gemeinderätin und Sonderpädagogin. Die Schule ist Teil der Vuokatti Ruka Sport Akademie und bietet ihren Schülern die Möglichkeit zusätzlich an einem Sportprogramm teil zu nehmen. Es beinhaltet Langlauf, Biathlon, Eishockey, finnisches Baseball, Schwimmen und Orientierungslauf. Sechzig Prozent dieser Schüler entscheiden sich für Baseball.
Auch hier sind wir beeindruckt von der Wirkung der Räumlichkeiten. Angefangen beim lichtdurchfluteten Eingangsbereich, mit einer Treppe, die auch als Auditorium genutzt wird, bis zu den bis ins kleinste Detail durchdachten Klassenräumen.
Nur ein Schritt durch eine Glastüre und wir sind nebenan in der Bibliothek. Ein alltäglicher Luxus, wie die Menschen aus Sotkamo es ausdrücken. Ganz ähnlich wie in Isny, mitten in der Stadt, Zugang zum Internet, verweilen können und in einem Buch schmökern. Für Karteninhaber ab 15 Jahren besteht hier die Möglichkeit auch außerhalb der Öffnungszeiten die Bücherei zu besuchen. Nebenan befindet sich ein Café.
Nachmittags wählen wir zwischen radeln, schwimmen oder wandern. Abends das Konzert im Stadion. Als „Vorgruppe“ spielen fünf Musikerinnen der Jugendmusikkappelle Isny, begleitet vom Stadtmusikdirektor Markus Radigk. Anschließend begeistert die Pop Kantele Künstlerin Ida Eleni mit ihren Liedern. Die Kantele ist eine griffbrettlose „Kastenzither“ die bereits im finnischen Nationalepos Kalevala eine wichtige Rolle einnahm.
Damit noch nicht genug, wir sind im Hotel Aateli von Mayor Mika Kilpeläinen zum Abendessen eingeladen. Wir stoßen auf unsere Freundschaft an. Die Gläser blinken im Abendlicht. Mika und Rainer Magenreuter bekräftigen in ihren Reden die Bedeutung der Freundschaft zwischen Isny und Sotkamo und bedanken sich. Anne Lukkari hebt in ihrer Rede die Bedeutung der Freundschaft im Hinblick auf die aktuelle politische Situation, die nahe Grenze zu Russland, hervor.
Petra Eyssel, Städtepartnerschaft Isny, greift das Zitat von Kurt Tucholsky auf, „Freundschaft, das ist wie Heimat“. Sie betont, wie jeder einzelne Mensch durch Freundschaftsbande zum friedlichen Zusammenleben beiträgt.
Unser letzter Tag vor der Abreise schenkt noch etwas Zeit am See. Mittags ein in Konzert im Stadion mit dem Violinquartett, Vaarojen Viulistit, die schon vor zwei Jahren in Isny begeisterten.
Zum Abschluss unseres Besuchs, die Eröffnung der Aatos Galerie mit den Bildern von Friedrich Hechelmann. Titel der Ausstellung: „Das Ende eines Langlaufs.“ Musikalisch umrahmt von den Isnyer Musikerinnen.
Rainer Magenreuter erinnert daran, wie die Delegation aus Finnland vor zwei Jahren im Schloss Isny war, und sich in Hechelmanns Bilder verliebte, und diese Ausstellung dadurch zustande gekommen ist.
Am anderen Morgen heißt es leider Abschied nehmen. Dankbar, die Freundschaft zu Sotkamo in unserem Herzen, freuen wir uns auf die nächste Begegnung.
Interessierte können sich an die Partnerschaft Beauftragte Petra Eyssel wenden. info@petra-eyssel.de
