Es lebe Europa – Festakt zur 50-jährigen Partnerschaft mit Gravenchon


am 15.07.2022 von Barbara Rau

„Vive l’europe“ – rief Virginie Carolo, die Bürgermeisterin von Notre-Dame-de Gravenchon am Ende ihrer Rede zum Partnerschaftsjubiläum. Beim Festakt im großen Sitzungssaal des Rathau-ses beschworen alle Redner die europäische Einheit und die Freundschaft zwischen den Völkern, die mehr Bedeutung denn je habe.

„Noch nie war es so wichtig, unsere Partnerschaft zu leben, sagte Bürgermeister Rainer Magenreuter. Auch zwischen Frankreich und Deutschland habe einst erbitterte Feindschaft geherrscht, „nach dem zweiten Weltkrieg erfolgten Annäherung und Freundschaft“. Deutschland und Frank-reich seien auf der Basis der Städtepartnerschaften zum Motor des geeinten Europas geworden. Er danke all jenen, die die Städtepartnerschaft Isny-Gravenchon vorbereitet und vor 50 Jahren vollzogen haben, allen voran den damaligen Bürgermeistern Hubert Benk und François Deveaud, sowie den nachfolgenden Bürgermeistern Jean-Claude Weiss, Dr. Christoph Eichert und Manfred Behrning. Besonders danke er allen ehrenamtlichen Mitgliedern und den Leitern der Partnerschaftskommissionen auf beiden Seiten. Virginie Carolo schloss sich dem Dank an.
Sie dankte in ihrer Rede, die von Brigitte Meeßen übersetzt wurde, darüber hinaus allen Isnyern, die Gäste aufgenommen haben. In einer Partnerschaft seien die Werte wichtig und mit Toleranz und Teilhabe diese in die Zukunft weiterzutragen. „Wir müssen unsere Unterschiede akzeptieren und durch gemeinsames Handeln weiterkommen.“ Dafür sei es wichtig, junge Leute ins Boot zu holen.

Gräben wurden überbrückt

Zu diesen jungen Leuten gehört auch der Vorsitzende der Isnyer Partnerschaftskommission, Martin Schmidt, der vor 50 Jahren noch gar nicht geboren war und daran erinnerte, dass die Unterzeichner damals den zweiten Weltkrieg noch selbst miterlebt hatten und daran mitgewirkt hätten, die tiefen Gräben zwischen den Ländern zu überbrücken. „Wir müssen alles dafür tun, dass es nie wieder zu einem Bruch zwischen Deutschland und Frankreich kommt“, betonte er. Das könne nur mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern auf beiden Seiten gelingen. „Den Kern der Partnerschaft bilden heute die gegenseitigen Besuche in der Partnerstadt, bei denen wir uns im-mer sehr herzlich aufgenommen fühlen, die Besuche der Musik- und Sportvereine, das Ferienla-ger der französischen Jugendlichen in Isny und unser jährlicher Stand bei der Schlossweihnacht, bei der, solange ich mich erinnern kann, auch immer französische Gäste dabei waren“, erklärte er. Er hoffe, dass dieser Austausch nach zwei Jahren Pandemie wieder auflebe. Martin Schmidt dankte allen, die sich in den letzten 50 Jahren für die Partnerschaft eingesetzt haben, und erinnerte an jene, die nicht mehr hier sein können, wie der kürzlich verstorbene Altbürgermeister Manfred Behrning. Schmidts Dank galt aber auch der Stadt Isny, der seiner Wahrnehmung nach, die Städtepartnerschaften sehr am Herzen lägen. „Das haben wir auch immer daran gemerkt, dass die Stadt unsere Vorhaben stets finanziell unterstützt hat. Namentlich nannte er Anita Gösele, die viele Jahre mit großem Engagement zur Seite gestanden sei. Übersetzt hat die Rede Patrice Weiss, der Verantwortliche in Gravenchon für die Partnerschaft mit Isny.
Für Gravenchon gab es zum Jubiläum ein Fass Stolz-Bier. Die Gravenchonais wiederum überreichten ein großes Aquarell, das Ansichten aus Gravenchon zeigt. Umrahmt wurde der Festakt von einer Abordnung der Stadtkapelle unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Thomas Herz. Das von ihm zusammengestellte Programm mit flotten Stücken aus den letzten 50 Jahren trug zur ohnehin schon gelösten Stimmung bei.
Am Kinderfestsonntag wurde das Jubiläum bei einem Festessen im Dorfgemeinschaftshaus Großholzleute mit vielen Gästen ausgiebig gefeiert.

Foto: Ein Aquarell für Isny: Katarina Schrade, Johanna Seitz, Martin Schmidt (Partnerschaftsgruppe Isny), Bürgermeisterin Virginie Carolo, Bürgermeister Rainer Magenreuter, Patrice Weiss, André Loison (Verantwortlicher für alle Partnerschaftsvereine in Gravenchon) (von rechts). Foto Stadt Isny/Rau