Der Fahrdienst von Herz und Gemüt tut auch der Seele gut


am 07.02.2022 von Barbara Rau

Seit 16 Jahren gibt es den Fahrdienst von Herz und Gemüt. Nun wurden mit Karl-Heinz Schmidt und Hajo Focken zwei langjährige Fahrer verabschiedet. Für beide bedeutete dieses Ehrenamt mehr als nur ein Auto zu steuern. Das Miteinander war ihnen wichtig.

Freude am Ehrenamt zeichnet die beiden Verabschiedeten genauso aus wie Ausdauer. Karl-Heinz Schmidt war von Anfang an dabei. Vor 16 Jahren brauchte er Hilfe, als er einen längeren Reha-Aufenthalt antreten musste. Seine Mutter kam zu der Zeit ins Altersheim und er suchte jemanden, der sie besucht und mit ihr spazieren geht. Die damalige Leiterin von Herz und Gemüt war behilflich und fragte ihn, ob er im Gegenzug Fahrdienste übernehmen könnte. Seither ist er mit dem eigenen Auto viele Kilometer für seine Mitmenschen gefahren. Oft war er in Isny unterwegs, aber sehr häufig ging es nach Kempten, Ravensburg, Wangen, zu ärztlichen Terminen oder in die Krankenhäuser. Dass er in Kempten einmal vier Stunden darauf warten musste, bis sein Fahrgast endlich alle Untersuchungen hinter sich hatte, ist ihm unangenehm in Erinnerung geblieben. „Von da an habe ich immer gleich gesagt, dass ich ehrenamtlicher Fahrer bin und dann funktionierte es besser“, erzählt er. Petra-Anna Dröber, die Leiterin von Herz und Gemüt sagt denn auch „das Warten in Kliniken oder bei Ärzten ist fast die größere Leistung als das Fahren“.
Karl-Heinz Schmid wollte schon eher aufhören, aber weil es zeitweise so wenig Fahrer*innen gab, blieb er dabei. Jetzt aber geht die Betreuung der Enkelkinder vor. Sohn und Schwiegertochter benötigen diese aus beruflichen Gründen. „Und die Enkel sind in einem Alter, wo der Opa noch der Held ist, das möchte ich genießen“, erklärt er schmunzelnd.
Hajo Focken kam vor zehn Jahren zum Fahrdienst. „Ich bin überzeugt vom Ehrenamt“, betont er und scherzt, „ich wollte nicht ‚verwahrlosen‘ als ich in Rente kam“. Das Ehrenamt gab seinem Leben weiterhin Struktur. Auch Focken nutzte sein eigenes Auto für die Fahrten, zumal er ein praktisches Fahrzeug habe, in das ein Rollstuhl locker reinpasst – und seine kleine Hündin Kyra. Denn die war immer dabei. „Vor der hatte nie jemand Angst und für die meisten Fahrgäste war sie eine große Freude.“ In Wartezeiten ging er mit ihr spazieren, so war das keine verlorene Zeit. Focken hat keine Garage, das machte den Dienst im Winter immer beschwerlicher. Der andere Grund fürs Aufhören ist das Alter. Da er den 80. Geburtstag schon hinter sich hat, findet er, es sei jetzt genug.
Das Schöne am Fahrdienst seien die Unterhaltungen gewesen, sagt Focken. Das habe ihm viel Spaß gemacht und den Gästen viel Freude. Das bestätigt auch Schmidt. Sie waren nie nur Chauffeur. Über die Jahre sind Beziehungen ge-wachsen und oft genug war auch Beistand und Trost gefragt und beim Erzählen kommt so manche bewegende Erin-nerung hoch.
Petra-Anna Dröber kann die beiden treuen Ehrenamtlichen guten Gewissens ziehen lassen. Haben sich doch jüngst neue Fahrer*innen gemeldet, darunter frisch Zugezogene und Neu-Rentner. Dieser ehrenamtliche Fahrdienst gegen einen geringen Beitrag, wird aber auch dringend gebraucht. Im Januar waren es schon 25 Anfragen von Senioren und Seniorinnen ohne Auto, die sich ein Taxi nicht leisten könnten. Wer Bedarf hat, melde sich bitte rechtzeitig Montag, Dienstag und Donnerstag telefonisch an (außerhalb der Dienstzeiten über den Anrufbeantworter) unter Telefon +49 7562 905747

Foto: Alexandra Kreisle (rechts), zuständige Sachbereichsleiterin im Rathaus und Petra-Anna Dröber bedankten sich bei Karl-Heinz Schmidt (links) und Hajo Focken jeweils mit einem Geschenkkorb. Foto: Stadt Isny/Rau