Biodiversität hat auch in der Stadt hohen Stellenwert


am 23.06.2021 von Barbara Rau

Die Fraktion der Freien Wähler im Isnyer Gemeinderat hat am 26. April einen Antrag gestellt, mit dem Ziel, die Biodiversität zu stärken. Die Stadt selbst tut schon einiges für dieses Ziel.

Im Technik-, Immobilien- und Umweltausschuss am 10. Mai stimmten die Ausschussmitglieder dem Antrag einstimmig zu. Dieser Antrag enthält die Empfehlung an Grundstücksbesitzer, „auf drei Prozent ihrer Rasengrundstücksfläche naturnahe Entwicklung zu ermöglichen und Rück-zugsflächen für Pflanzen, Insekten und Kleintiere zu schaffen“. Denn Biodiversität und Artenviel-falt sind nicht auf Feld, Wald und Wiese beschränkt und sollen es auch gar nicht sein. Im Gegen-teil, gerade in einer Stadt mit ihren Privatgärten, wo nicht die wirtschaftliche Nutzung im Vor-dergrund steht, gibt es viele Möglichkeiten, die Biodiversität voranzubringen. Diesem Zweck hat sich auch die AG Biodiversität verschrieben, die mit Unterstützung der Stadt, namentlich Ale-xandra Haug vom Sachbereich Natur und Umwelt, informiert, aufklärt und tatkräftig mitwirkt.
Auf öffentlichem städtischen Grund wird auf dasselbe Ziel hingearbeitet. Im Kurpark, auf ver-schiedenen Grünflächen, beispielsweise in der Maierhöfener Straße, an der Lärmschutzwand oder im Mühlbachweg werden jährlich Blühwiesen angesät. Wo es sich machen lässt, wird der Fokus auf Mehrjährigkeit gelegt und wenn möglich, im Herbst nicht abgemäht oder abgeräumt, um Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten zu schaffen.

Wilde Ecken zulassen

Biodiversität und Erhalt der Artenvielfalt sind letztlich auch Antrieb bei der oft aufwändigen und teuren Pflege städtischer Bäume, mit Ziel des Erhalts. Das Baumkataster, das alle Bäume auf städtischem Grund (außer dem Stadtwald) erfasst, trägt dazu bei. Die Stadt beschäftigt zudem einen eigenen Baumkontrolleur.
Was im genannten Antrag der FW-Fraktion, den alle Fraktionen und die Verwaltung mittragen, hineinschwingt, ist das Zulassen von „wilden“ Ecken im Garten. Naturnahe Winkel, in denen es eben nicht so ordentlich aussieht, die aber entscheidenden Anteil als Lebensraum für Insekten, Kleintiere und unterschiedlichste Wildkräuter haben. Von diesen Ecken, wo auch Brennnesseln wachsen dürfen, braucht es viele, damit es nicht einsame Inseln sind, sondern vernetzter Lebens-raum. Nur so kann Artenvielfalt sich entwickeln oder wieder entstehen. „Diese wilden Ecken oder Gras, das höher steht, sollten Isnyerinnen und Isnyer aber auch auf öffentlichem städtischem Grund akzeptieren“, wirbt Alexandra Haug um Verständnis. „Wir können nicht von den Privatleu-ten verlangen, dass sie ihren Anteil im eigenen Garten leisten und dann auf öffentlichen Grünflä-chen bis in den letzten Winkel aufräumen.“ Es braucht jedoch auch tätige Akzeptanz. Denn wenn unachtsame Mitbürger ihren Müll, von Zigarettenkippe bis Bonbonpapier in Gras werfen, ist das für den Baubetriebshof beim Mähen eine erhebliche Erschwernis und das Gras muss als Müll entsorgt werden.
Biodiversität ist kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit, um eine lebenswerte Umwelt zu erhal-ten. Im Frühjahr 2020 hat deshalb der Gemeinderat der Erstellung eines Biodiversitätskonzepts zugestimmt, das insbesondere die Vernetzung von Lebensräumen aus den Randgebieten bis in die Stadt hinein zum Ziel hat. Dieses ist noch in Arbeit.
Auch im Stadtwald wird einiges für die Artenvielfalt getan: Der Umbau zum klimaresistenteren Mischwald ist seit Jahren im Gange. Und außerdem ist die Stadt im Begriff, insgesamt 25 ha Wald im Rahmen des sogenannten Alt- und Totholzkonzeptes aus der Nutzung zu nehmen. Die Flächen bleiben sich selbst überlassen. Dadurch findet eine große Gruppe von geschützten Tier-arten Lebensraum im Alt- und Totholz. Derzeit ist das Verfahren in der Feinabstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. Das bedeutet Ertragseinbußen, die für die Biodiversität aber gern in Kauf genommen werden.