Beim Umzug kommen spannende Objekte zutage


am 07.02.2021 von Barbara Rau

Bis Ende Februar muss das Museum sein Quartier in der Fabrikstraße endgültig verlassen haben. Das Auf- und Ausräumen ist arbeitsintensiv. Dass dabei auch besondere Funde zum Vorschein kommen, freut die Museumsleiterin sehr.

Man kennt das ja von zuhause. Wenn gründlich aufgeräumt und ausgemistet wird, finden sich manchmal richtige Schätze, die man schon lange vergessen hatte, oder die vom Vormieter stammen. Ein Mitarbeiter vom Städtischen Baubetriebshof hat Museumsleiterin Ute Seibold mit einem Fund eine große Freude gemacht. Beim Räumen unter der Dachbodentreppe kam etwas zum Vorschein mit dem niemand gerechnet hätte: Je eine Holztafel mit der „Kornordnung“ von 1804, die seinerzeit der Graf von Quadt erlassen hat und mit der „Fruchtmarktordnung“ von 1828, die der Stadtrat ausgegeben hat. „Ich bin hin und weg“, berichtet sie begeistert von dem besonderen Fund.
Angetan ist sie auch von einer bemalten Truhe von 1733, einer echten Antiquität. Diese stand in dritter Reihe auf dem gut gefüllten Dachboden und kam erst jetzt richtig ans Tageslicht und von da nicht ins Depot, sondern in den soge-nannten „Quarantäne-Raum“, da sie Schädlingsbefall aufweist.
„Ich kann schlechter arbeiten, wenn ich nicht weiß, was vorhanden ist. Die Sammlung ist das Herzstück der Muse-umsarbeit.“ Die riesige Menge im Gebäude hat Ute Seibold jedoch auch vor die nicht ganz leichte Aufgabe gestellt, auszusortieren, „zu entsammeln“, wie es im Fachjargon der Museumsleute heißt. Seit 2014 war und bleibt die Aufarbeitung der Sammlung - mit großer Unterstützung des Museumsteams, Mitgliedern des Fördervereins der Isnyer Mu-seen und ehrenamtlichen Kräften - ein Schwerpunkt der Museumsarbeit.

Sammlung im Isny-Kontext

Denn wenn in jedem Heimat- oder Stadtmuseum dasselbe zu sehen ist, zieht das sicher keine Besucher an. „Wir müssen uns im Sammlungskonzept auf das Städtische und die Ortschaften beschränken, auf alles, was zum Isny-Kontext gehört“, betont sie. „Der hundertste Essig-Steinguttopf bringt uns nicht weiter. Und ich kann auch im Schloss nicht Flachs dreschen, dafür sind Freilichtmuseen definitiv geeigneter.“
Dagegen hat sie sich beispielsweise gefreut, als sie dieser Tage eine Medaille vom ersten Wintersportwettbewerb 1948/49 nach dem Zweiten Weltkrieg postalisch erhielt. Isnys touristische Entwicklung, also die Geschichte des „Fremdenverkehrsorts“, des Kur- und Wintersportorts – das ist zum Beispiel ein Thema, das sie im neuen Museum gern forciert. Ganz glücklich ist sie daher über die Sammlung an alten Fremdenverkehrsprospekten. Sie ist sich sicher, dass sich auch im Stadtarchiv einiges dazu findet. Ein handgezeichneter Vorentwurf eines Tourismus-Plakates aus den 1960er Jahren ist momentan mit anderen Papierarbeiten der Städtischen Sammlung in der Restauratorenwerkstatt von Johannes Schrempf in Esslingen. Erfreulicherweise werden die Kosten der Maßnahmen durch einen erfolgreichen Förderantrag 2020 bei der Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg mit knapp 3.488 Euro begünstigt.
Seit Jahren wird Ute Seibold von Mitarbeitern des städtischen Baubetriebshofes unterstützt. „Ohne diese Männer wäre es nicht gegangen – weder die vielen Ausbauten, noch der Umzug“, lobt sie. Bis 28. Februar muss das riesige Gebäude leer sein. Ihr Büro hat sie dann vorübergehend im Kurhaus. Derzeit befüllen ihre fleißigen Helfer Lastwagen voller Abfall. Altpapier, kaputtes Inventar und ausgediente Verwahr-Möbel sollen nicht mit umgezogen werden. Das Depot ist nur für die guten, sammlungswürdigen Dinge vorgesehen. Im Schloss Isny ist bisher nur weniges gelandet, da kommt nur hin, was auch ausgestellt wird. Für das Städtische Museum dort die Räume zu beleben und unterhaltsam und sinnvoll zu befüllen, darauf hat die Museumsleiterin richtig Lust. Man merkt ihr an, dass sie es kaum erwarten kann, auch wenn viel Wehmut wegen des Abschieds vom Standort am Stadtbach mitschwingt.