Appell an die Radler: Bitte mehr Rücksichtnahme auf Natur


am 07.08.2020 von Barbara Rau

Radfahren wird immer beliebter. Immer mehr Radfahrer bewegen sich dabei in Naturräumen. Aber nicht alles, was Spaß macht, ist auch erlaubt. Manches, was an der Adelegg und in den Bodenmösern passiert, geht über das verträgliche Maß hinaus.

Radfahren ist gesund und eigentlich auch umweltfreundlich – eigentlich. Denn leider sind nicht alle Möglichkeiten, die ein Zweirad bietet, verträglich mit der Natur und mit Wanderlustigen. In manchen Gebieten nimmt das überhand, was als nicht mehr verträglich gilt. An der Adelegg aber auch in den Bodenmösern war insbesondere während Ausgehbeschränkungen ein Vielfaches an Zweiradverkehr zu beobachten als zuvor schon. „Wir haben massive Probleme mit Mountainbikern“, sagt denn auch Ranger Tobias Boneberger offen. „Während der Corona-Beschränkungen war es besonders extrem.“ Viele seien von Bayern herübergekommen, weil in Baden-Württemberg die Bestimmungen ein wenig lockerer waren.

Trails in schützenswertem Gebiet

Dass insgesamt die Zahl der Radfahrer zugenommen hat, gerade auch der E-Bikefahrer ist das eine Problem. Wanderer und Radler kommen sich öfter in die Quere. Noch mehr Sorgen aber machen dem Ranger die Trails, die an der Adelegg in vielen Tobeln, auf fast vergessenen Wanderpfaden und Wurzelwegen angelegt werden, querfeldein, durch den Wald, in schützenswertem Gebiet. Wege, auf denen man vor zehn Jahren niemandem begegnet ist, werden zur vielfrequentierten Bike-Strecke. „Das sind keine E-Bike-Fahrer, sondern richtige Down-Hill-Fahrer mit speziellen Bikes, die die sportliche Herausforderung suchen“, weiß Boneberger. Da geht wohl mit manchem, im normalen Leben recht vernünftigen Radler der sprichwörtliche Gaul durch oder besser gesagt der Drahtesel. Denn diese sportlichen Herausforderungen vertragen sich nicht mit den Bedürfnissen der Tier- und Pflanzenwelt und sind schlichtweg verboten. „Die steilen Tobel und Westhänge der Adelegg, über die gerne gefahren wird, sind nahezu ausschließlich als FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) kartiert“, erläutert der Ranger. Auch sei die ganze (württembergische) Adelegg Vogelschutzgebiet und Brutgebiet vieler seltener Vogelarten der Wald- und Berggebiete. Darunter eben auch sehr störungsanfällige Vogelarten wie Schwarzstorch oder Uhu.
Die Tierwelt gewöhnt sich grundsätzlich gut an begangene Waldwirtschaftswege, diese kennt sie und sieht in Menschen, die dort gehen keine Gefahr. Wird aber abseits dieser Wege geradelt oder gewandert, bedeutet das permanenten Stress für die Tiere. Im ba-den-württembergischen Waldgesetz ist klar geregelt, dass auf Waldwegen unter zwei Metern Breite nicht geradelt werden darf.
Was Boneberger ebenfalls Sorgen macht, ist die Vorliebe für Dämmerungsfahrten oder -Wanderungen. Bei allem Verständnis dafür, dass Menschen nach Feierabend ein wenig Sport machen wollen oder Sonnenaufgangserlebnisse und Sonnenuntergangserlebnisse haben wollen – für das Wild bedeutet das eine dauernde Störung. Damit richtet der Mensch zusätzlich Schaden an.
Tobias Boneberger richtet gemeinsam mit der Stadt Isny den Appell an alle Rad- und Wanderlustigen: „Nehmen Sie Rücksicht auf die Natur, auf Tiere und Pflanzen, damit unsere Adelegg und die Bodenmöser das bleiben, was sie bisher waren: wertvoller und schützenswerter Naturraum.“