50 Jahre Eingliederung - Großholzleute


am 13.11.2022 von Barbara Rau

1972 wurden die vier Ortschaften Beuren, Großholzleute, Neutrauchburg und Rohrdorf bei der Gemeindereform nach Isny eingegliedert. Die Isny Rundschau geht der Frage nach, wie sich das auf die Ortschaften ausgewirkt hat und wie es dort 50 Jahre später aussieht.

Großholzleute

Ein großer Teil der Bevölkerung Großholzleutes, das aus den Ortsteilen Großholzleute, Bolsternang und Kleinhaslach besteht, war 1972 keineswegs begeistert, dass die Gemeinde ihre Selbstständigkeit verliert. Nur 53,3 Prozent stimm-ten für die Eingliederung nach Isny, 46,5 Prozent dagegen. Eine Anekdote verdeutlicht die Vorbehalte: Noch 1987 ließ sich die Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Großholzleute, ein eigenes Abzeichen mit Wappen fertigen.
„Das Selbstbewusstsein ist geblieben und eine gewisse Eigenständigkeit, aber wir haben uns absolut mit Isny arran-giert“, sagt Ortsvorsteher Rainer Leuchtle zur Stimmung in der Ortschaft. Er hält in diesem Zusammenhang die eige-nen Rathäuser in den Ortschaften für bedeutsam. Das kleine Rathaus als Teil der Infrastruktur funktioniere und sei wichtige Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger.
Roland Heckelsmüller, Waldemar Karallus und Erich Unkauf waren die drei Gemeinderäte, die nach der Eingliederung die Ortschaft im Isnyer Gemeinderat vertraten. Damals hatte Großholzleute mit seinen 36 Wohnplätzen 1410 Einwohner, zum 31. Dezember 2021 waren es 1371. Kleinhaslach ist der jüngste Ortsteil und er trug zur Einwohnerzahl maßgeblich bei. Isny waren nach dem Krieg viele Vertriebene zugewiesen worden. Der damalige Bürgermeister von Großholzleute Josef Freff wollte diesen Menschen helfen. Zugute kam diesem Ansinnen, dass die Fürstin Quadt Grund auf der Gemarkung Großholzleute für eine Mark pro Quadratmeter zur Verfügung stellte. Ein Wäldchen wurde gerodet, die Vertriebenen halfen sich gegenseitig beim Bauen und so überrundete der Ortsteil Kleinhaslach bei der Eingliede-rung mit 400 Einwohnern die beiden „alten“ Ortsteile Großholzleute (110) und Bolsternang (350). „Die älteren Ein-wohner von Kleinhaslach danken es Freff bis heute, da genießt er noch hohes Ansehen“, stellt Ortsvorsteher Leuchtle immer wieder fest. Die jüngere Generation und die Neuzugezogenen wüssten jedoch davon nichts mehr.

Wasserversorgung war notwendig

Auch Großholzleute hat bei der Eingliederung einiges versprochen bekommen. „Was drin steht in der Vereinbarung, wurde auch gemacht“, bestätigt Rainer Leuchtle. Großholzleute habe eine gute Infrastruktur bekommen. Da war zum Einen die dringend benötigte Wasserversorgung, die sofort umgesetzt wurde. Während Bolsternang schon 1954 an die Wasserversorgung der Überruh angeschlossen wurde, waren beispielsweise viele Einzelgehöfte noch auf ihr eigenes Wasser angewiesen, das oftmals nicht zuverlässig floss, wie Leuchtle aus der eigenen Kindheit erinnert. Zum Anderen wurde das Thema Abwasser angegangen. Auch wenn der Leitungsbau über Jahre den Ortschaftsrat beschäftigte, so habe es dennoch keine Zweifel an der Notwendigkeit gegeben. Allein schon, weil nach und nach viele landwirtschaft-liche Betriebe aufhörten und die Güllegrube keine Option mehr war. Mit der Kanalisation sei es auch möglich gewor-den, in aufgelassenen Anwesen Wohnungen einzubauen. „Die Kläranlage in Ried ist ein Vorzeigeprojekt und unser bundeslandübergreifender Ansatz beispielhaft“, lobt er. Eine so gut funktionierende Abwasserentsorgung wäre für eine kleine Gemeinde nicht leistbar. „Insbesondere wenn es um Technik geht, sind die Aufgaben im Kleinen nicht zu bewältigen.“
Die Schule in Bolsternang ist der Schulreform zum Opfer gefallen, aber einen städtischen Kindergarten hat Bolstern-ang bekommen. Der wurde im Vereinshaus hinter der Kirche eingerichtet. 1990 ist der Kindergarten-Neubau einge-weiht worden, der mit viel Eigenleistung erbaut wurde. Mit dem katholischen Kindergarten in Kleinhaslach gibt es sogar zwei Kindergärten.

Wir-Gefühl gestärkt

Ebenfalls in der Vereinbarung aufgeführt sind der Geh- und Radweg von Kleinholzleute zur B12 und die Brücke bei der Hengelesmühle, die beide gebaut wurden.
Versprochen worden war auch ein Feuerwehrhaus, das 1977 eingeweiht wurde. Ein großes funktionelles Gebäude mit angeschlossenem Bauhof, das damals herausragend war in den vier Dörfern und auch heute eine wichtiger Bestandteil der örtlichen Infrastruktur ist. Der damalige Kommandant Martin Rief sei sehr vorausschauend gewesen, anerkennt Leuchtle. Das 2009 eingeweihte Dorfgemeinschaftshaus wurde an dieses Gebäude angebaut. Auch wenn die-sem Bau heftiger Streit im Ort vorausging, so wurde dennoch mit enorm viel Eigenleistung gebaut. „Das hat unser Wir-Gefühl gestärkt“. Mittlerweile schießen beide Schützenvereine, der Schützenverein Bolsternang und die Kleinhasla-cher Schützengilde dort in bestem Einverständnis.
Die drei etwa gleich starken Ortsteile Großholzleute, Kleinhaslach und Bolsternang zusammenzuhalten, ist nicht ganz einfach, wie der Ortsvorsteher verrät. „Das unterscheidet uns von den anderen drei Ortschaften Isnys.“ Aber es gibt immer wieder Schritte zu mehr Gemeinsamkeit.
Und noch eine Besonderheit gibt es auf Großholzleutener Gemarkung: Seit 1983 leben die Schwestern der Hl. Klara in Buchenstock. „Wer kann schon von sich behaupten, ein eigenes Kloster zur haben“, sagt Leuchtle schmunzelnd.
„Wir sind sehr zufrieden“, sagt der Ortsvorsteher über die Gemeindereform, „es ist anders heute nicht mehr vorstell-bar“. Jetzt fehlt den Großholzleutenern nur noch eine B12-Umfahrung zu ihrem Glück. Da kann auch die Stadt Isny nur immer wieder an höchster Stelle bohren.

Info: Sonderausstellung „Wir feiern die Eingemeindungen 1911 und 1972“ zu 111 Jahre Eingemeindung von Isny-Vorstadt und 50 Jahre Eingemeindung der Teilorte, im Stadtmuseum im Schloss Isny. Öffnungszeiten: Montag bis Dienstag, geschlossen; Mittwoch bis Freitag 14 Uhr bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr.

Luftbild: Liane Menz