Comics aus Isny

Die Tagebücher des Postkartenkünstlers Eugen Felle öffnen Tor zur Vergangenheit in der Stadt.
„Der kleine Eugen“ ist bei der Ausstellungseröffnung groß rausgekommen: Die Studio-Ausstellung über die frühen Jahre des Isnyer Postkartenkünstlers Eugen Felle in der Stadtbücherei im Museum am Mühlturm lockte fast 50 Gäste aus Isny und Umgebung an. Die ausgestellten Texte und Zeichnungen aus den 140 Jahre alten Original-Tagebüchern zeigten ihre Wirkung: Auch Gäste, die eigentlich nur zufällig zur Eröffnung dazustießen, waren von den Exponaten maximal fasziniert. „Es ist ein Geschenk, dass wir so unmittelbar in eine Isnyer Kindheit blicken können“, erklärte Felle-Expertin und Urenkelin des Künstlers Tosca-Maria Kühn in ihrer Einführung. Die Bücher seien ein unmittelbarer Zugang in die Vergangenheit. Ihre begleitenden Recherchen aus der Zeit der Tagebücher rückten die gezeigten Details in ein ganz anders Licht. „Es war eine düstere und keine leichte Zeit für Isnyer Familien. Die Statistik sagt, dass von 1000 Kindern 250 in den ersten Jahren starben.“
Gerade vor diesem Hintergrund entstanden rund um die acht Text- und Bildtafeln lebhafte Diskussionen zum Thema Kindheit. Wie frei waren Kinder in Isny damals? Wie frei sind sie heute noch? Wie prägte die Stadt ihre Kinder? Was kann man früher wie heute in den Straßen und in der Natur alles lernen? Die Geschichten und Bilder aus den Büchern von Eugen Felle machen klar, dass damals Freundschaft und Kameradschaft unter den Jüngsten in Isny das Wichtigste war. Die persönlichen Bildgeschichten stellen einen erfreulichen Gegensatz zu den unfreundlichen Lebensumständen dar: Auf den „Reisen“ gruben die Buben rund um Isny nach römischen Steinen, erforschten die Natur oder suchten alte Münzen. Mit Freunden, die Eugen Felle alle beim Namen nennt, stellte er Manöver aus Schlachten nach und jagte die Katze des Apothekers. „Heute würde sich bei solchen Aktionen der Schulsozialarbeiter einmischen“, bemerkte eine Besucherin mit humorvollem Augenzwinkern. Dabei können sich viele Gäste noch an ähnliche Spiele erinnern. Auch sie waren früher in Raufereien und Schneeballschlachten mit so genannten Feinden verwickelt. Manch einer findet sogar seinen Familiennamen in den Aufzeichnungen wieder. Makellos gezogene Buchstaben und eine fehlerlose Sprache prägen das Schriftbild des jungen Künstlers. Alles bestückt mit Zeichnungen, die zum Teil wie ein Comic aufgebaut sind. „Eugen Felle kannte diese Kunstform nicht. Wie er seine Lebenswirklichkeit zeichnete, entsprang seiner eigenen Fantasie“, erläutert Ursula Winkler, Leiterin des Projekts Panorama_Partner, das im Rahmen des Fonds Stadtgefährten von der Bundeskulturstiftung gefördert wird. „Auf vielen Seiten der Tagebücher sind die Anlagen für seine spätere Postkartenkunst zu erkennen.“ Neben den Vorläufern der Comics fanden jüngere Gäste bei der Eröffnung vor allem den Mitmachtisch mit Stempeln und Postkarten zum Weiterzeichnen interessant. Wie die Architektur der Stadt die jungen Menschen heute beeinflusst, zeigt das Ergebnis der Museums AG der Isnyer Grundschüler. Sie fertigten Graffiti-Silhouetten des Stadtbilds nach. „Ein ganz wunderbares Ergebnis“, lobte auch Bürgermeister Rainer Magenreuter die höchst gelungene Ausstellung in den neuen Räumen der Stadtbücherei. Die Leiterin Anette Schmid freut sich vor allem über die gute Partnerschaft mit dem Museum und über so viel Publikum in ihrer Bücherei. Museumsleiterin Ute Seibold bedankte sich bei allen Beteiligten und freute sich über die „sommerlichen Klänge“ des Gitarrenduos Henry Schuler und Tim Metzler von der Musikschule App.

INFO: Die Ausstellung „Der kleine Eugen“ ist zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei im ehemaligen Museum am Mühlturm kostenlos zugänglich. Das Ausstellungsteam freut sich über Beiträge am „Der-kleine-Eugen-Kunst-Tisch“.

Kontakt
Städtische Museen Isny
Ute Seibold
Fabrikstraße 21
88316 Isny im Allgäu
Tel. +49 7562 93434
ute.seibold@museen-isny.de
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Unten Verlies, oben Ausstellung zu Flach und Leinwand

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